Reisebericht - Toskana 2003

Inhalt:
Anreise
Ausflüge in die Umgebung
Motepulciano
San Gimignano
Castellina in Chianti
Siena
Volterra
Certaldo
Wein
Essen
Resümee
Panoramabild

Ein paar Eindrücke von unserem Urlaub in der Toskana im September 2003

Die Anreise

Wir hatten uns entschlossen, eine Woche mit Freunden in der Toskana zu verbringen. Wir buchten eine Wohnung in San Gimignano, Anreise Samstag, 30.August. Den 30.08. werden wir künftig als Anreisezeitpunkt meiden, denn an diesem Tag enden die Ferien in GANZ ITALIEN. Staus waren die Folge und deshalb haben wir für 500 km von Österreich bis "San Gimi" geschlagene 10 Stunden gebraucht.

Abgesehen von der Anreise empfanden wir diesen Zeitpunkt als sehr angenehm für dieses Reiseziel. Es war nicht mehr überlaufen, es war warm, aber nicht heiß, und an einigen Abenden war es noch warm genug, um draußen zu sitzen.

Unsere Unterkunft hatten wir im Internet bei interchalet gebucht. Das klappte ganz hervorragend. Zum vereinbarten Zeitpunkt der Übergabe war eine Dame, die englisch sprach, zugegen. Die Wohnung entsprach, was das Ambiente anging, unseren Erwartungen. Einzig die Ausstattung der Küche war nicht ganz so dolle, und die versprochene Geschirrspülmaschine fanden wir nicht.

Ausflüge in die Umgebung

Von San Gimignano aus haben wir jeden Tag Ausflüge in die Umgebung vorgenommen. Wegen der relativ hügeligen Landschaft sind die Landstraßen recht kurvenreich und in Folge dessen sind die Fahrtzeiten recht lange. Es sind immer mindestens 1-2 Stunden Fahrtzeit einzurechnen, wenn man mit dem Auto zu einer der vielen Städte unterwegs ist. Wir haben einige unserer Tagesziele unter dem Aspekt des Weinkaufs ausgesucht, denn wir wollten gezielt einige Weinbaubetriebe anfahren um ein paar Weine zu probieren und zu kaufen. Den Besuch der diversen Weingüter verbanden wir dann immer mit der ein oder anderen Besichtigungstour.

Bei allen Touren sind wir auf asphaltierten Straßen, aber auch auf weniger befestigten Straßen gefahren und wir wunderten uns, wie viele der öffentlichen Straßen nicht asphaltiert, sondern Schotterstraßen sind. Bleibenden Eindruck hat in diesen Tagen vor allem die immer wiederkehrende wunderschöne, romantisch anmutende Aussicht auf die Hügel der Toscana hinterlassen. Lieblich schmiegt sich Hügel an Hügel und obenauf zieren Zypressenallen den Zugang zu den Landhäusern. Dazwischen Waldstücke, Weinberge, Olivenbäume und wieder Ortschaften. Man könnte dauernd anhalten, um die neue, beeindruckende Aussicht zu genießen. Ein angenehmer Nebeneffekt der Landschaft sind die engen kurvenreichen Straßen, die für reichlich Fahrspaß sorgen.

Montepulciano

Das erste Ausflugsziel war Montepulciano. Von "San Gimi" aus vergingen gut 2 Stunden, bis wir bei zügiger Fahrweise dort ankamen. Der Kern von Montepulciano ist ein mittelalterliches Dorf mit dicker Stadtmauer, engen Gassen und Kopfsteinpflaster. Es ist schön restauriert und entspricht genau dem Bild, das man sich von toskanischen Städtchen eben so macht. Wir waren dort am letzten Sonntag im August. An diesem Tag wird jedes Jahr ein historisches Fest gefeiert, das "Bravio delle Botte". Aus alter Zeit stammt die Tradition, dass abends Männer der verschiedenen "Straßen" oder "Clans" gegeneinander antreten und ca. 80 kg schwere Weinfässer den Berg hinauf zur Piazza rollen. Im Vorfeld am Nachmittag ziehen Gruppen in mittelalterlicher Tracht durch den Ort und Fahnenschwinger zeigen ihr Können. Auf dem Marktplatz sahen wir Falkner mit einer Show, die aber leider vorrangig in italienisch kommentiert wurde. Die eigentliche Show begann erst gegen 19:00 Uhr, das war uns zu spät, weshalb wir darüber nicht berichten können. Übrigens: Ab etwa 15:00 Uhr kommt man an diesem Tag nicht mehr in den Ort, ohne Eintritt zu zahlen (ca. 7-10 Euro/Person).

San Gimignano

San Gimignano ist ebenfalls recht hübsch. Es ist ein ziemlich kleines Städtchen mit sehr alten, aber liebevoll hergerichteten Fassaden. In der Reiseliteratur wird "San Gimi" wegen der Skyline etwas übertrieben als "Manhattan" der Toscana bezeichnet. Aber nett ist's doch anzusehen. Wir waren nur abends dort, denn tagsüber ist dieser Ort voll von Touristen. Ab 18:00 Uhr verlassen die Busreisegruppen und viele der privaten Touris dann die Stadt und man kann sich etwas umsehen.

So kamen wir zu einem abendlichen Essen in San Gimignano, im Restaurant "Il Vecchio Mura". Das war lecker und die Preise waren angemessen. Wir probierten dort Wildschwein, denn in den Eichenwäldern, die es in der Toskana viel gibt, leben offensichtlich sehr viele Wildschweine. Deshalb sind Wurst- und Fleischwaren vom Wildschwein eine Spezialität der Gegend - sehr zu empfehlen!

Am Marktplatz gibt es übrigens zwei Eisdielen, von denen die eine das angeblich "weltbeste Eis" verkauft. Ob es wirklich das weltbeste Eis ist, wissen wir nicht, aber lecker und preislich angemessen war es, so viel können wir bestätigen!

Castellina in Chianti

Auf dem Heimweg von einer Weintour ins Chiantigebiet hielten wir in Castellina in Chianti, einem der unzähligen netten kleinen Orte. Der ebenfalls schön restaurierte Ortskern war voll mit Geschäften und Weinläden, die teils sehr touristisch aufgemacht waren und die Preise eher an Abzocke als an Fairness erinnern ließen. Im schicksten Weinladen des Ortes trafen wir übrigens auf den unfreundlichsten Verkäufer der ganzen Woche...

Volterra

In oder besser bei Volterra wird Alabaster abgebaut. Deshalb findet man in Volterra an jeder Ecke einen Laden, in dem Alabastererzeugnisse verkauft werden. Außerdem gibt es viele Werkstätten, in denen Alabaster live bearbeitet wird. Hier sind Zuschauer gerne willkommen. Uns hat das Material und das, was man daraus machen kann, fasziniert. Leider gibt es auch in diesem Städtchen Abzocker: Zum Beispiel in dem Café, das oberhalb an der Piazza XX septembre liegt und eine recht lahme und unfreundliche Bedienung hat: Hier mussten wir für eine Dose(!) Sprite 3,50 Euro bezahlen. Also: dieses Café meiden!

Siena

Die einzige Ortschaft, die wir in dieser Woche besuchten und die wirklich die Bezeichnung "Stadt" verdient, war Siena. Auf Hügeln gebaut, von vielen neueren Stadtteilen umgeben, findet man den Stadtkern innerhalb der Mauern. Auch hier findet man enge Gassen und viel altes Gemäuer, aber an den Auslagen in den Geschäften bemerkt man ein höheres Niveau und nicht nur Touri-Mitbringsel-Läden. Auf jeden Fall gibt's hier jede Menge Kultur und historisches zu entdecken. Dom, Piazza del Campo und Palazzo Pubblico als die Stationen, die man von Bildern her kennt, und viele Museen und Kirchen, die genug Interessantes zum Anschauen bieten.

Certaldo

Eher unbekannt, aber trotzdem ganz interessant fanden wir Certaldo. Diese kleine Ortschaft war in Fußmarsch-Entfernung von unserer Unterkunft. Nach einigen Tagen, an denen wir viele Stunden im Auto verbracht hatten, nahmen wir das zum Anlass, mal dorthin zu laufen. Im Tal befindet sich die moderne Stadt Certaldo, auf dem Hügel sieht man altes Gemäuer, Certaldo Alto (Hoch-Certaldo). Den Höhenunterschied kann man entwder zu Fuß bewältigen, oder man benutzt die Seilbahn, die alle 15 Minuten fährt. Sehr ungewöhnlich als Transportmittel, und wir fanden's witzig. Außerdem war es sehr preiswert, nur wenige Cent pro Person. Oben ist ein mustergültig renoviertes Dörfchen, mit schönen Restaurants, schöner Aussicht und einem Museum, denn hier ist das Geburtshaus von Bocaccio, der im Mittelalter eines der Standardwerke der italienischen Literatur, den "Decamerone", verfasste.

In Sachen Wein...

Einige halbe bzw. ganze Tage waren wir unterwegs, um bestimmte Weingüter aufzusuchen. So fuhren wir durch traumhafte Landschaften zu einem vielfach gelobten Weingut "Isole e Olea", das wir aber wegen der Arroganz und Unfreundlichkeit der Menschen dort nicht empfehlen können. Also sind wir ohne zu probieren wieder gefahren. Vielleicht wäre der Wein gut gewesen, aber es gibt ja noch andere... Wir haben dann den wunderschönen Abend anderweitig genutzt und mehrfach in der von Abendsonne durchfluteten Landschaft angehalten, Fotos gemacht und die Ausblicke genossen.

Am nächsten Tag führte unsere Tour uns durch das Gebiet des Chianti Classico. Wunderschöne Landschaft, wohin man auch blickt. Weinreben wechseln sich ab mit Olivenbäumen und immer wieder laden Weingüter entlang der Straße zum Probieren ein. Wir besuchten an diesem Tag zwei "Fattorie", die unseren Freunden bereits bekannt waren. Dort bekamen wir beides mal neben dem Wein zum Probieren einen kleinen Einblick in die Produktion.

Beim ersten Weingut "Lilliano" in der Ortschaft Antella, südlich von Florenz gelegen, mussten wir regelrecht darum bitten, dass jemand eine Flasche für uns aufmacht zum probieren. Derartige Konversationen sind nicht immer ganz leicht, denn oft sprechen die Winzer nur italienisch - so auch hier. Später kam eine Dame, die offensichtlich zur Familie gehörte, dazu. Sie war sehr freundlich, sprach gut englisch und zeigte uns auf unsere Bitte hin trotz eines Stromausfalles mit der Taschenlampe den Weinkeller und die riesigen Terracotta-Behälter, in denen bis vor wenigen Jahren das Olivernöl zur Reife aufbewahrt wurde. Da die Weine dort sehr zu empfehlen waren, haben wir natürlich auch ein paar Flaschen gekauft. Die Terracotta-Fässer stammen übrigens aus dem nahe gelegenen Impruneta, berühmt für die Herstellung besonders hochwertiger Terracotta-Ware.

Der zweite Besuch eines Weingutes sollte im Nachhinein das önologische Highlight der Woche werden. In der Ortschaft Bagnolo liegt am Ortseingang die "Fattoria Bagnolo". Hier probierten (und kauften) wir hervorragenden Wein und einmalig guten Grappa ein. Dann zeigte uns der nette Herr noch den Weinkeller und die Fässer, in denen der für die Gegend so typische "Vin Santo", ein Weißwein, der etwas an Sherry erinnert, heranreift. Diese Fattoria ist ein Muß für jeden Weintrinker, denn sowohl die Beratung als auch die Qualität der Ware ist erste Sahne - man kann sogar per Kreditkarte zahlen und sich seinen Einkauf weltweit nach Hause liefern lassen.

Der 'Johnson' oder andere Weinatlanten geben nur bedingt Hilfe bei der Suche nach guten und preiswerten Weingütern. Unserer Erfahrung nach lohnt es, auf eigene Faust ein wenig durch die Landschaft zu gondeln. Fast überflüsig zu erwähnen, daß man seinen Weg fernab der großen Straßen suchen sollte, denn erstens ist es dort schöner und zweitens findet man auch mehr ursprüngliche Güter. Und auch wenn man mal kein gescheites Weingut gefunden hat, so hat man doch die wunderschöne Landschaft genossen und - wie oben erwähnt - seinen Fahrspaß gehabt. Bevor wir's vergessen: die Kreditkarte als Zahlungsmittel ist eher die Ausnahme - ausreichend Bargeld ist die Garantie für einen erfolgreichen Einkauf!

In Sachen Essen...

Wir haben in dieser Woche teils selbst gekocht, teils Restaurants aufgesucht. In den Supermärkten fanden wir recht gute Ware. Begeistert waren wir von den frischen Nudeln, die mehr sättigen und irgendwie besser schmecken als die getrockneten Hartweizennudlen, die wir zu Hause immer essen. Hervorragend fanden wir das Pesto, das wir in einem Alimentari in Certaldo kauften. Das war so gut, dass wir davon sogar eine kleine Portion mit nach Hause nahmen. In Siena kauften wir auch ein Stück einer original toskanischen Sünde, dem "Panforte". Das ist eine Art Früchtebrot, recht süß und in verschiedenen Varianten erhältlich. Extrem kalorienreich und extrem lecker. Auch Sünde pur ist das Mandelbrot, das es mittlerweile auch hier zu kaufen gibt.

Wer sich typisch italienisch durch den Tag essen will, dem empfehlen wir folgende Vorgehensweise: morgens nach dem Aufstehen nicht zuhause frühstücken sondern in einer 'Bar' einen Milchcafé und ein 'dolce' (ein süßes Teilchen) im Stehen dazu essen. Mittags dann in einer ebensolchen Bar ein Stückchen(!) kalte Pizza auf die Hand. Erst am Abend kann man sich's dann in einem der zahlreichen Restaurants gemütlich machen und nach den Antipasti ein leckeres Mal zu sich nehmen. Nicht vergessen einen Espresso oder Grappa danach zu trinken - der Magen hat sicher einiges zu tun. Ach ja, wer in der Toskana nicht zunehmen will, der muss ein hartes Tagesprogramm haben!

Resümee

Unser Gesamteindruck: Die Toskana ist ein wunderschöner Landstrich, und es wundert uns nicht, dass so viele Leute hier so gerne Urlaub machen oder sogar hierhin übersiedeln. Wir waren zwar nach der Hauptsaison unterwegs, aber abgesehen von den vielen Landsleuten die hierhin übersiedelt sind, sind auch noch jede Menge deutsche Touristen unterwegs. Die Autobahn auf der Rückfahrt beispielsweise war fest in deutscher Hand. Wer Landschaft gucken, gut Essen und gut Trinken mag, ist hier gut aufgehoben. Wir werden bestimmt noch mal hier hin fahren, und dann wieder gezielt einige Weingüter anfahren. Und dann werden wir nochmal kommen müssen, aber dann mit den Motorrädern, denn so manche Kurve lässt sich auf zwei Rädern mit Sicherheit hervorragend genießen. Aber dazu werden wir das Frühjahr wählen, wenn es nicht so heiß ist. Fragt sich dann nur, wie wir den leckeren Chianti nach Hause bekommen.

Panoramabild bei den Hügeln von San Giminiano

Sonnenuntergang
Montepulciano
Montepulciano
Montepulciano
Villea del Monte
Montepulciano
Toskana
Bravio delle Botte
Trauben
Bravio delle Botte
Trauben
Madonne
Landschaft
Certaldo Alto
Landschaft
Certaldo Alto
Landschaft
Certaldo Alto
San Giminiano
Villa del Monte
klassisch
Montepulciano
unterwegs
Montepulciano
unterwegs
Lilliano
San Giminiano
San Giminiano
Friedhof
Landgut
Siena
Landschaft
Siena
San Giminiano
Moto Guzzi
unterwegs
Klingel
unterwegs
San Giminiano
 
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