Reisebericht Australien 2006

Inhalt:
Eckwerte
Fahrzeug
Wasser
Aboriginals
Tiere
Camping
Straßen
Tour - Alice Springs und East McDonnell Ranges
Tour - Kings Canyon und Ayers Rock / Uluru

In drei Wochen 6000 km Australien "erfahren"

Warum soll der Mensch um die halbe Welt fliegen, um doch nur die selbe Sonne zu sehen?

Nun, dafür gibt es viele Gründe. Unsere Gründe waren die Neugier nach "Wüste" und natürlich wollten wir dem schmuddeligem Novemberwetter entfliehen. Wir planten die Reise um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres und freuten uns fast ein Jahr lang auf warmes Klima, exotische Tiere und Pflanzen und Abstand von der Hektik des Alltags. Um es vorwegzunehmen: Wir haben uns nicht vergeblich gefreut - alle unsere Erwartungen wurden erfüllt.

Hier die Google-Earth-Bookmarks der Übernachtungsplätze zum Download. Trephina Gorge, Henbury Craters und natürlich der Ayers Rock sind hervorragend detailliert zu erkennen!

Die Eckwerte

Nach eingehendem Studium vieler Internetseiten und nicht zuletzt der hervorragenden Beratung von Otmar Lind (Webseite: www.kangaroo-tours.de) entschlossen wir uns, Australien zunächst von der Mitte nach Süden zu erkunden. Anfang November sollte es im üblicherweise heißen "Red Center" noch verhältnismäßig erträglich sein und Ende November sollte es dann schließlich auch an der Südküste ebenfalls warm sein. Nur nochmal zur Erinnerung: Auf der Südhalbkugel, also auch in Australien, ist im November Frühsommer. Der Monat ist also mit dem Mai auf der Nordhalbkugel vergleichbar.

Um trotzdem nicht vollkommen dem Wettergott ausgeliefert zu sein, legten wir für die Reise nur Anfangs- und Zielort fest. Wieviel Zeit wir an welcher Stelle verbringen würden, wollten wir dann vor Ort selbst entscheiden. Damit war auch festgelegt, daß das Fortbewegungsmittel während der ganzen Reise gleich sein würde. Wir wollten natürlich das Outback so nahe wie möglich erleben, und so war klar, daß wir einen geländegängigen Wagen benötigten.

Das Fahrzeug

Wir entschieden uns für einen 4WD-Bushcamper. Das ist ein Toyota Landcruiser mit Aufbau zum "Wohnen". Er ist sehr kompakt gebaut und hat dabei trotzdem ein festes Dach, einen Kühlschrank und einen Gaskocher an Bord. So ist das Camping in der Wildnis zwar naturnah, aber für den verwöhnten Mitteleuropäer nicht überfordernd. Es hat nämlich jede Menge Vorteile, mindestens 30 cm über dem Boden zu schlafen, zu essen und die Klamotten zu haben. Diese 30 cm schaffen einen angenehmen Sicherheitsabstand zu 2-, 4-, 6- und auch 8-beinigen Tieren, zu Staub und Wasser sowie Hitze und Kälte.

Im Gelände ist der Toyota Landcruiser mit seinem 4,2 l Dieselmotor durch keine Steigung zu beeindrucken und die Pendelachsen machen ihn hinreichend komfortabel und gängig. Die fehlende Differentialsperre war für uns kein Problem - das sieht bei Matschstrecken vielleicht anders aus. Auf der Straße ist der Wagen zwar etwas schwammig und bei mehr als 100 km/h wird der Motor sehr durstig, aber man kann ihn fast wie einen PKW fahren. Bis auf einen Reifenschaden wegen zu schnellen Fahrens auf steiniger Piste hatten wir mit dem Wagen - der schon 250.000 km auf dem Buckel hatte - keinerlei Probleme. Den Luftdruck der Räder sollte man den Fahrstrecken anpassen - die Abrieb vermindernde Hochdruckfüllung seitens des Vermieters erhöht im Gelände die Gefahr von Reifenschäden und verschlechtert die Bodenhaftung sehr - und war sogar deutlich höher war, als es die Betriebsanleitung empfahl. Man sollte sich mal angucken, mit wieviel Druck die Einheimischen fahren; wir danken bei dieser Gelegenheit sehr dem freundlichen Herren, der uns nach der Reifenpanne ein paar Tipps gab.

Zum Wohnen ist der Wagen mittelprächtig geeignet - der Kühlschrank war tapfer und hat uns nicht enttäuscht. Die "Kochzeile" ist brauchbar, aber essen sollte man draußen am zusätzlich zu buchenden Campingtisch (nicht vergessen!). Das ist aber normalerweise auch kein Problem, denn da unter freiem Himmel gekocht wird - an der Hecktür wird auf einem Brett der Gaskocher aufgebaut - fällt das Essen bei Regen sowie so aus. ;-) Platz zum Schlafen ist entweder unten auf der Bank oder oben im Dach. Wer viel Platz braucht, kann beide Schlafstellen aufbauen und in getrennten Betten nächtigen. Wenn es mal nachts sehr heiß sein sollte, schläft es sich beispielsweise unten deutlich angenehmer als oben, obwohl reichlich Schiebefenster mit Fliegengitter vorhanden sind.

Das Wasser

Wasser ist in Australien Mangelware - zumindest hört man das allerorten. Man sieht es auch an der Natur. Und man hört es von den Einheimischen, die beklagen, wie lange es nicht mehr geregnet habe. Außerdem messen sie den Regen nicht in Dauer (viertel Stunde, halber Tag, 2 Wochen usw.), sondern in Millimetern pro Monat. Wenn dann jemand erzählt, daß im vergangenen halben Jahr 25 mm Regen gefallen sind, dann kann man sich vorstellen, warum das Land so trocken aussieht.

Das bedeutet aber nicht, daß die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser gefährdet ist. Man kann natürlich in jedem Markt Trinkwasser kaufen - wir bunkerten immer so zwei bis drei 4-Liter Kanister. Man sollte im Outback auch reichlich Wasser dabeihaben, denn man verdunstet unglaublich viel Wasser und muß diesen Verlust ausgleichen. Falls man mal eine Panne haben sollte, wäre es außerdem gut, wenn man mal 2-3 Tage warten kann, bis Hilfe kommt, ohne daß man gleich in Panik kommt.

Merkwürdig ist allerdings, daß die Australier trotz dieses Wassermangels teilweise höchst verschwenderisch mit Wasser umgehen. Beispielsweise haben wir am Rande der Wüste einen bei Tagessonne mit Sprühregen bewässerten Garten gesehen - und das war kein Einzelfall. Selbst im okölogisch geführten Arkaroola Park waren die Wasserspeicher oben offen und das Wasser der Verdunstung preisgegeben. Die Steuerung der Zuflüsse war so schlecht, daß der Wasserspeicher überlief und das Wasser ungenutzt im Boden versickerte. In einem anderen Nationalpark haben wir timergesteuerte Bewässerungsanlagen gesehen, die während der brutal heißen Tagesstunden Wildpflanzen bewässerten.

Insgesamt hatten wir den Eindruck, daß die Natur in Australien deutlich feuchtere Zeiten gesehen hatte. Große trockene Bäume und riesige trockene Flussbetten zeugten davon. Selbst im grüneren Süden hatten wir mehr Feuchtigkeit erwartet und sicher war es auch "irgendwann mal" dort feuchter. Im Red Center allerdings waren wir überrascht, daß tatsächlich dort noch viel Wachstum ist. Natürlich ist dort sehr wenig richtig grün, aber es wachsen immer noch Büsche und Sträucher.

Die Aboriginals

Den ersten Aboriginals sind wir in Alice Springs begegnet. Dort waren sie praktisch nicht in aktiver Tätigkeit zu bemerken - vielmehr machten sie eher einen dahinvegetierenden Eindruck. Einige warteten vor dem Liquor-Shop, bis dieser aufmachte, um dann ein oder zwei Flaschen Bier zu kaufen. Alkohol kann in den Gebieten mit hohem Aboriginal-Anteil meist erst ab Mittag gekauft werden - in Yulara (der Ort am Ayers Rock) sogar nur mit Nachweis, daß man ein Tourist ist. Selbst einem Einheimischen Weißen auf der Durchreise gelang es nicht, ein paar Dosen Bier zu erwerben. In vielen Aboriginal-Reservaten ist der Verkauf und die Weitergabe von Alkohol an Aboriginals mit hohen Strafen belegt, aber mittlerweile haben die Aboriginals andere Drogen gefunden um dem Trübsal des passiven Lebens zu entgehen - Kleber schnüffeln, Benzin schnüffeln.

Das zeigt, wie schwierig die Situation der Leute dort ist. Wenn man sich anschaut, wie die Aboriginals vor der Ankunft der Siedler gelebt haben und ihre Geschichten und Mythen hört, dann sieht man, daß sie entwicklungsgeschichtlich auf der Stufe der Steinzeitmenschen anzusiedeln sind. Dazu kommt, daß die Einwanderer bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts ziemlich brutal mit ihnen umgegangen sind - einige sprechen von Völkermord - und bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts von menschenwürdigem Verhalten der Siedler in den meisten Fällen keine Rede sein konnte. Eine Integration bzw. ein gleichberechtigtes Leben war damit nicht möglich. Erst heute versuchen die Australier, sich der Kultur der Aboriginals zu nähern und sie aktiv in die Gesellschaft einzubinden.

Daß die Aboriginalkunst quasi als eigenständiges Markenzeichen gut erkennbar ist und die Geschichten der Aboriginals mit ihren mystischem Symbolen gerade jetzt auf offene Ohren trifft, ist ein Glück für diese Menschen. Ein wirtschaftlicher Nutzen kann die Akzeptanz der Aboriginals in der australischen Gesellschaft durchaus verbessern.

Auf der anderen Seite ist auch das Verhalten der Aboriginals vielschichtig. So dürfen beispielsweise heilige Stätten nicht fotografiert werden und auch die Sonnenaufgangsseite des Ayers Rock darf zwar fotografiert werden, aber man darf die Fotos nicht "veröffentlichen". Die Sonnenuntergangsseite ist aber als Markenzeichen aus den Publikationen nicht mehr wegzudenken. Von dem Rummel um die Sunrise- und Sunset-Viewing Points sowie dem ganzen Hotel- und Touristenkomplex Yulara möchten wir gar nicht reden. Außerdem halten einige Aboriginals zwar an der traditionellen Lebensweise als Jäger und Sammler fest, westliche Bekleidung, Plastiktassen und Grabwerkzeuge aus Metall werden aber gerne angenommen.

Wieder andere betteln auf der Straße nach Benzin - und wären sich nicht zu schade, dieses aus dem Tank mit einem Schlauch auszusaugen. Einige betteln auch vor den Supermärkten um Geld für Alkohol. Auch das Fotografieren der Aboriginals war verboten - aber andererseits waren Bilder zum Verkauf angeboten.

Die Tiere
Natürlich wollten wir auch Tiere sehen. Na klar, Känguruhs und Koalabären. Doch natürlich gibt es nicht nur Känguruhs und Koalabären. Wir haben bei unserem Start in Alice Springs zunächst mal angelockte "Rock Wallabies" - kleine Bergkänguruhs - am Hotel erlebt. Die Tiere werden dort mit "Diätfutter", das man dort kaufen kann, angefüttert und sind vor allem für die Kleinen ein Erlebnis, weil sie ebenso klein sind wie 3-4 jährige Kinder. Von freier Wildbahn kann man da natürlich nicht sprechen.

Als wir dann im Outback unterwegs waren, haben wir auch Kanguruhs gesehen, allerdings nur von Weitem, denn die Tiere sind natürlich scheu. Auch Vögel und anderes Getier ist dort vorsichtig, wenngleich auch nicht so ängstlich wie Hasen und Rehe in einem deutschen Wald. Je näher man der Zivilisation kommt, desto häufiger hat man dann Begegnungen mit allen Arten von Tieren - sogar mit grunzenden Koalabären auf Campingplätzen muß man rechnen. Solltet Ihr mal in einem Bericht über Australien etwas von Euros hören, so ist damit nicht Geld gemeint, sondern es dreht sich um eine graue mittelgroße Känguruhart. Diese Euros sind verhältnismäßig häufig anzutreffen.

Neben den erwähnten "knuddeligen" Tieren haben wir aber auch Warane gesehen, einige Echsen und Geckos, sowie einen "Thorny Devil", eine mit Dornen gespickte Echse. Mangels Wasser hat sich uns kein Fischreichtum offenbart - im Gegensatz zum Reichtum an sehr lauten Kakadus und sehr frechen Rabenvögeln und einigen, zum Teil sehr farbenprächtigen Vögeln. Sorry, wir sind keine Vogelexperten, daher bitten wir die unpräzisen Äußerungen zu entschuldigen.

Zu den gewaltigsten Krakelern zählen wir aber die Grillen, die uns eines Abends in Halls Gap mit ihrem Zirpen dermaßen zugesetzt haben, daß man geneigt war, sich die Ohren zuzuhalten.

Camping

Camping ist die optimale Methode, um das Landesinnere zu erkunden. Die Australier selbst sind leidenschaftliche Camper und wo es irgendwie möglich ist, haben sie entweder sehr einsame oder sehr komfortable Campingplätze gebaut. Manchmal gelingt es ihnen auch, beides miteinander zu verbinden. Selbst im Outback gibt es Campingplätze mit Feuerstellen, bei denen eine zentrale Gasversorgung vorhanden ist. Die Toiletten - im Outback oft Plumpsklos - sind immer tiptop sauber und immer mit ausreichend Toilettenpapier versorgt. An den allermeisten Plätzen gibt es auch Wasser, und manchmal sogar Duschen. Wir waren in der Nebensaison unterwegs. Deshalb waren viele der Campingplätze "unbesetzt", also ohne Ranger oder sonstiges Personal. Dort wirft man seinen Obulus - in der Regel 5-10 Euro für ein Fahrzeug und zwei Personen für eine Nacht - in einem vorbereiteten Umschlag in einen Kasten ein.

Natürlich gibt es auch die großen Campingplätze, die mit allen Schikanen, Strom, Wasser, heißen Duschen, - auch Waschmaschine und Kiosk - gesegnet sind. Von Zeit zu Zeit kann man sich hier wieder aufmöbeln, aber wir haben, wo es möglich war, die kleineren ursprünglicheren Plätze vorgezogen - auch dort trifft man oft 1-2 Camper. Völlig "wildes" Campen ist zwar in vielen Gebieten grundsätzlich auch möglich und erlaubt, oft aber nicht in den Nationalparks. Im "normalen" Gelände ist es meist außerdem nicht so schön, aber als Nothalt wäre das aber sicher praktikabel.

Straßen

Im "Red Center" sind wir vor allem "tracks" "dirt roads" oder "gravel roads" gefahren. Ein guter Atlas - dazu zählen wir auch den der Britz-Vermietung - zeigt sehr gut, welche Strecken wie gefahren werden können. Wichtig ist, daß die Karte ausweist, wo befestigte Straßen verlaufen, wo unbefestigte sind, und welche Tracks ausschließlich den 4WD-Fahrzeugen vorbehalten sind. Man kann davon ausgehen, daß man auf befestigten Straßen gut 100km/h fahren kann, auf unbefestigten Straßen sollte man mit etwa 70km/h rechnen und auf 4WD-Strecken fällt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 20-30km/h. Und wenn eine Straße als 4WD-Track gekennzeichnet ist, dann sollte man das auch unbedingt glauben. Selbst einige "normale" dirt-tracks würde man hier in Europa keinem 2WD-Auto zumuten. Also aufgepaßt und nicht zu mutig!

Wichtig ist außerdem, daß man die Tankstops plant: eine gute Karte zeigt im Outback jede Tankstelle inklusive angebotenem Treibstoff (Diesel, unleaded usw) und Öffnungszeiten. Auch der Hinweis auf Werkstätten ist bisweilen wichtig. Die Notwendigkeit, in einsamer Gegend mal ein Reserverad wieder Instand zu setzen, kann ebenfalls sehr wichtig werden. Wir trafen einen Einheimischen, der einen gewissen Druck hatte, zum nächsten Ort zu kommen, denn er hatte bereits seine beiden Reserveräder kaputtgefahren - "blasted two tires". Einheimische nach dem Straßenzustand und der Befahrbarkeit von Strecken zu fragen ist ebenfalls ratsam, allerdings hatten wir bisweilen Pech, weil das Personal an Tankstellen bzw. Motels noch nicht richtig mit der Gegend vertraut war. Wenn man aber ein bißchen vorsichtig an die Sache herangeht und seinen gesunden Menschenverstand benutzt, kann eigentlich nicht viel passieren.

Unsere Tour - Alice Springs und East McDonell Ranges

Ausgangspunkt unserer Reise war Alice Springs. Nach einem problemlosen Flug über Singapur und Darwin und endlos vielen Pass-, Bordkarten und Safetykontrollen sowie einem intensiven Check, ob wir auch keine Lebensmittel nach Australien einführen, kamen wir pünktlich dort an. In der Heavitree Gap Outback Lodge (www.auroraresorts.com.au) hatten wir für die erste Nacht ein Zimmer gebucht. War absolut okay. Von hier erkundeten wir die Stadt - nicht ohne uns vorher mit Sonnenmilch (Lichtschutzfaktor 30) einzucremen. Alice Springs ist zwar Zentrum des Outback, hat aber gerade mal 28.000 Einwohner. In der City gibt es auf der Todd Mall, der zentralen Einkaufsstraße, Läden mit allem, was man für die Reise benötigt. Natürlich auch unzählige Läden mit Souvenirs und Aboriginal-Kunst. Wir versorgten uns erst mal mit breitkrempigen Hüten und je einem Fliegennetz. Beides hatten wir während der Reise tagtäglich in Benutzung.

Dann gab's erst mal was zu Essen in einem Restaurant. Als wir ein Bier bestellten, hieß es, dass Alkohol erst ab 12:00 Uhr ausgeschenkt würde - es war kurz vor 12. Zunächst waren wir sehr verwundert, aber später lernten wir, dass das eine der Maßnahmen ist, mit der die Regierung versucht, den übermäßigen Alkoholkonsum vieler Aboriginals einzudämmen.

Später am Tag besuchten wir die Station des ("Royal Flying Doctor Service" ). Dort sind mehrere Ärzte stationiert, die bei Bedarf mit einem Kleinflugzeug zu Patienten im Outback fliegen und die Menschen mit medizinischer Hilfe unterstützen. Außerdem gibt's hier Telefonsprechstunden, um Krankheiten per Ferndiagnose zu erkennen oder die Medikation festzustellen. Heute geht die Kommunikation per Internet oder Satellitentelefon. Früher mussten die Leute funken; und die ganz frühen Geräte hatten noch nicht mal Stromversorgung, sondern arbeiteten mit Pedalantrieb.

Am nächsten Morgen übernahmen wir unseren 4WD-Bushcamper. Allen Australienreisenden sei gesagt, dass man hierfür reichlich Zeit mitbringen muss. Dem Mitarbeiter, der uns das Auto erklärte, haben wir übrigens erklärt, was ein Choke ist - mit dem Hebel wusste er nämlich nichts anzufangen. Ein paar Kleinigkeiten, die von uns bemängelt wurden (Rückspiegel fiel fast ab, Teile der Stoßstange wackelten, ...) wurden sämtlich mit dem Anbringen einer Schraubverbindung unter Zuhilfenahme des Akkuschraubers gelöst.

Die ersten Kilometer mit unserem Camper führten auf dem asphaltierten Stuart Highway nach Norden. Das ist die größte Nord-Süd-Verbindung im Lande. Die Straße ist vergleichbar mit einer guten Landstraße in Deutschland, mit einer Spur pro Fahrtrichtung. War auch absolut ausreichend. Die erste Schotterpiste, den Arltunga Drive, nahmen wir dann später am Tage "unter die Räder". Schnell lernten wir, das es sinnvoll ist, den Kilometerstand mitzuloggen, weil man die Geschwindigkeit nur schwer einschätzen kann und man schnell unsicher wird, ob man eine potenzielle Abbiegung schon verpasst hat oder nicht. Unser Ziel, den Gem Tree Caravan Park (www.gemtree.com.au), erreichten wir gegen 17:30 Uhr. So schafften wir es gerade noch vor Sonnenuntergang, den Wagen an der gewünschten Stelle zu parken, ein Feuer anzumachen und alle anderen Essensvorbereitungen zu treffen, bevor es begann, dunkel zu werden. Den ersten Abend im Outback genossen wir dann bei Rotwein, Kängurusteak und Folienkartoffeln. :-))))

Am kommenden Tag ging's weiter durch die East Mc Donnell Ranges, ein Gebiet mit Erhebungen bis ca. 800 m und roter Erde, wenig Bewuchs und deutlich weniger besucht als die Western Mc Donnell Ranges. Wir fuhren über den Cattlewaterpass - 45 km recht ruppige Piste. Die Dame beim Verleiher beschrieb es als "a bit rough". Nun - sie sollte recht behalten. Mal Sand, mal Geröll, mal ausgewaschene Flussbetten. An einer Stelle passte der Wagen nicht unter einem stattlichen Ast her, also etwa 1 km zurücksetzen und einen parallel verlaufenden Track wählen ... und so weiter. Am Ende sind wir aber verlustfrei auf den Arltunga Drive gestoßen und bis zur "Arltunga MacDonnell Range Reef Mine", einer historischen Goldmine, gefahren. Dort wurde vor vielen Jahren Gold gefunden und man kann hinabsteigen in einen Schacht der Mine, sozusagen auf dem Weg zu Gold. Außerdem gibt es ein Minimuseum, in dem man das Gold waschen ein bisschen üben kann. Haben wir natürlich auch gemacht und ein paar winzige Spuren Gold gefunden - wir glauben zumindest fest daran, dass das Gefundene Gold ist ;-) Alles dort sehr überschaubar und keine große Attraktion, aber sehr nett und liebevoll gemacht.

Als Standort für die nächste Nacht wählten wir den winzigen Nationalpark Trephina Gorge. Wir fanden einen sehr schön angelegten, sauberen Bush-Campingplatz (= mit Plumpsklo, ohne Duschen) mit BBQ-Grills. Ein bisschen unheimlich war die Tatsache, dass wir ganz alleine waren - aber irgendwie war's auch klasse.

Am nächsten Morgen nutzten wir einen der vorgeschlagenen Walks von diesem Campingplatz aus, den Panoramic Walk. Durch ein ausgetrocknetes Flussbett ging's auf den nahe gelegenen Hügel, von wo aus wir die gesamte Umgegend in der aufgehenden Sonne beobachten konnten. Ja, wir - eigentlich eher Langschläfer - sind mit der Sonne aufgewacht. Anders ist es fast nicht möglich, denn ab 4:30 Uhr beginnen Kakadus und andere, sehr bunte Vögel mit frühmorgendlicher Kommunikation, die einen schon vor Sonnenaufgang weckt. Dann tut die Sonne ihr Übriges. Aber das ist okay, weil wir so die nicht so heißen Stunden des Tages mit Temperaturen unter 30°C nutzen konnten zum Wandern. Zudem waren wir abends schon um 10 Uhr todmüde, und dann war das frühe Aufstehen ohnehin kein Problem.

Wir verließen den Natinoalpark Trephina Gorge auf dem kleinen, aber für 4WD-Fahrer lohnenswerten Umweg zum John Hayes Rockhole. Dort gab's einen kleinen See, in dem sogar ein Fisch schwamm und wunderschöne Felsformationen drumherum. Dann ging es über Alice Springs weiter in Richtung Uluru.

Unsere Tour - Kings Canyon und Ayers Rock / Uluru

Bevor wir Alice Springs wieder verließen, gingen wir noch einmal ausiebig einkaufen und besuchten die School of the Air. Dort werden derzeit etwa 150 Kinder unterrichtet, die im Outback leben. Die School of the Air arbeitete bis 2005 mit Funk. Erst seit 2006 wird der Unterricht über Internet per Satellit abgehalten. Jedes Schuljahr erhält an 2-3 Tagen je 2-4 Unterrichtsstunden. Der Rest der Inhalte wird zu Hause mit Tutoren erarbeitet, die sich um die Kids kümmern. Das ist ein Elternteil, eine Nanny oder sonst eine Person, die auch in dem "Homestead" lebt. Dank dieser Einrichtung bekommen die Kinder im Outback eine hervorragende Ausbildung bis zur 6. Klasse und müssen nicht in ein Internat. Die Führung vor Ort war etwas lieblos und man hätte viel mehr draus machen können, aber das Prinzip und die Einrichtung sind faszinierend.

Unsere Tour führte uns dann in Richtung Westen, auf dem Larapinta Drive bis Hermansburg und dann auf dem Mereenie Loop zum King's Canyon. Wir erlebten diese Strecke als eine Dirt Road übelster Sorte, eine Waschbrettpiste, die sich "gewaschen" hat, zwischendurch regelmäßig Schlaglöcher und Sand. Die Landschaft ist weit, unwirtlich und einsam. Weniger trocken als erwartet, viele Felsen und kleine Berge. Auf der Piste gab es entgegen unserer Erwartung eine ganze Menge Kurven. Nach drei Stunden Ritt auf der Piste kamen wir zum King's Canyon Resort. Da gibt es alles, was das Herz begehrt: Tennisplatz, Golfplatz, Luxushotel ... und viele Touristen. Das war nicht nach unserem Gusto. Also fuhren wir 30 km weiter zur King's Creek Station. Hier ist es zwar auch nicht so gemütlich und romantisch wie auf den Plätzen in den kleinen Nationalparks, aber mehr nach unserem Geschmack und naturverbundener als im Resort.

Am nächsten Tag fuhren wir sehr früh zum Kings Canyon, wo wir um kurz nach 7 Uhr bei 30°C zum 6 km langen "Rim-Walk" aufbrachen. Schon bei dem - übrigens recht steilen - Aufstieg hoch zur Kante gab es schöne Aussichten auf die Landschaft rund um den Canyon. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir dann den eigentlichen Canyon. Man musste immer ein bisschen klettern, um zu den schönsten Lookouts zu gelangen. Aber von dort eröffneten sich immer wieder neue beeindruckende Aussichten auf die steile Wand runter in den Canyon. Unser Fazit: Ein wunderschöner Ort, den man als Australienreisender nicht auslassen sollte. Wieder am Auto - mittlerweile war es kurz nach 10 und 38°C heiß - waren wir froh, reichlich Wasser auf den Weg mitgenommen zu haben, sonst hält man das nicht ohne weiteres aus.

Von dort ging die Fahrt weiter über eine unlängst asphaltierte Strecke zum Uluru bzw. Ayers Rock. Nach etwa 200 km durch wenig abwechslungsreiche Landschaft, kurz vor dem Roadhouse Curtin Springs, auf einmal links ein Monolith - wow, der Ayers Rock. Oder doch nicht? Sieht irgendwie anders aus, eher wie im Monument Valley. Na ja, ein scharfer Blick auf die Landkarte und die Beschilderung des entsprechenden Lookouts löste die Frage: Es ist der Mt. Connor. Aber so geht es wohl vielen Menschen auf dem Weg zum Uluru. Das Roadhouse am Mt. Connor ist übrigens sehr nett. An einem schattigen Platz kann man was essen oder trinken, etwas Verpflegung gibt's auch (keine frischen Sachen, sondern Brot, Wein, Spüli usw.), und die Leute sind nett dort.

Nach weiteren 150 km tauchte dann der "echte" Ayers Rock am Horizont auf. Riesig ist er schon, der Stein. Bevor man aber dorthin kommt, gelangt man nach Yulara. Dieses Ressort wurde in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft, und ist den Australiern gut gelungen, fanden wir. Hier kann man Lebensmittel einkaufen, es gibt Restaurants, eine Post, ein Info-Center, und vom 5-Sterne-Hotel bis zum Campingplatz eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Natürlich ist das viel Zivilisation mitten in der Wildnis, aber es ist alles flach und hell und freundlich gebaut, passt sich also recht harmonisch in die Landschaft ein. Wir wählten natürlich den Campingplatz. Der ist perfekt durchorganisiert und verfügt über Waschmaschinen, einen Pool, Internetcafe, Shop etc. Schön ist der Platz zwar nicht, vor allem mangelt es an schattigen Plätzen, aber dafür ist alles sehr zweckmäßig und picobello sauber.

In der Tourist Info gab es einen Flyer, der detailliert über die Essentials informierte, die diesen Ort auszeichnen: Uhrzeit von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang! Um 7:04 pm sollte die Sonne an diesem Abend untergehen. Wer das Spektakel aus der Nähe sehen möchte, soltle sich eine Stunde vorher auf den Weg machen. Man muss zunächst mit dem Auto etwa 5 km zum Eingang in den Nationalpark fahren. Dort gibt es für 25 AUS$ pro Person eine Eintrittskarte, die 3 Tage gültig ist. Vom Parkeingang sind es dann noch mal 15 km bis zum "Sunset Viewing Point". Hier etwa 2 Kilometer entlang der Straße Parkbuchten, hinter denen eine Absperrung signalisiert, dass man nicht näher an den Uluru rangehen darf. Es gibt reichlich Platz, so dass jeder Touri vor seinem Bus einen Campingstuhl aufbauen und dem Naturschauspiel zusehen kann. Wir hatten zum Teil bewölkten Himmel, dadurch verlor das Farbenspiel viel von seiner Pracht, aber schön war's trotzdem. Nur eben nicht so gigantisch, wie man das von Bildern kennt. Und das Beobachten der anderen, die mit Stativ und High-Tech-Ausrüstung bewaffnet das Ereignis festhalten, hat auch seinen Reiz ;-)

Genauso wie der Sonnenuntergang zieht auch der Sonnenaufgang die Besucher in seinen Bann. Die Uhrzeit hatten wir schon gesehen: Sunrise 5:45 am.

Fortsetzung folgt ...

Bis wir die ganze Reise beschrieben haben, werden wohl noch ein paar Abende ins Land gehen. Deshalb hier schon mal unsere Highlights der Tour mit Links:

  • Ayers Rock / Uluru und Olgas / Kata Tyuta: Hier waren wir zwei Tage, zum Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang, am Uluru und an den Olgas - vor allem letztere haben uns sehr beeindruckt
    Link zur offiziellen Seite
    Resort am Ayers Rock - hier gibt's alles, es ist unglaublich!
  • Henbury Craters - eine 4000 Jahre alte Einschlagstelle eines Meteroiten mitten im Nichts - faszinierender Platz mitten im Outback
  • über Kulgera, Erldunda und Finke zum "Mittelpunkt Australiens", dem Schwerpunkt der Landmassen
  • nach Mt. Dare - das Hotel im Outback, das uns schwer beeindruckt hat
  • über Dalhousie Springs (heiße Quellen, man kann drin baden!) zum Oodnadatta Track und zum legendären Pink Roadhouse - nicht wirklich schön, aber muss man gesehen haben.
  • Coober Pedy - hier gibt's Opal-Minen und Häuser im Berg, weil es unter der Sonne bisweilen 50°C heiß wird. Interessanter Ort, gibt viel zu sehen. Wir waren am Campground Riba's .
  • Vorbei an der Old Ghan Route bis nach Coward Springs, einem liebevoll hergerichteten Campground mit Quelle und Mini-Oase.
  • Weiter nach Leigh Creek, einer Bergarbeiterstadt zu dem Bereich nördlich der Flinders Ranges - langsam wird es bewachsener, grün ist noch das falsche Wort. Zwei Tage und Nächte waren wir im wunderschönen Öko-Schutzgebiet Arkaroola.
  • Wilpena Pound in den südlichen Flinders Ranges
  • Mt. Remarkable National Park
  • Clare Valley - eine Weinanbauregion, wo es Riesling, Cabernet Sauvignon und Shiraz in Hülle und Fülle gibt. Wir probierten bei Robert Crabtree in Watervale sehr leckeren Wein.
  • Barossa Valley - das nächste Weinanbaugebiet mit der Kleinstadt Nuriootpa
  • Adelaide - hat uns nicht gefallen, aber wer dort eine Stadtführung machen will, dem empfehlen wir den roten Bus - war sehr amüsant und interessant
  • River Murray, Loxton und die Fruchtfliege - eine Geschichte für sich. Auf jeden Fall eine seltsame Gegend. Nett war das Historical Village in Loxton.
  • Grampians und Hall's Gap bei Windstärke 9 und Feuer in der Nähe. Die Grampians sind sehr zu empfehlen, zumal das Gebiet Sylvester 2005/06 zu 50 Prozent abgebrannt war und die Natur jetzt geradezu explodiert.
  • Live Stock Exchange - Das ist ein Viehmarkt
  • Mt. Eccles Nationalpark mit Lake Suprise - auf diesem sehr schönen Campground und dem Walk um den Kratersee sahen wir mehrere Koalas, ein Possum und ein Echidna
  • Great Ocean Road - ein "Must". Uns hat "The Grotto" und die "Lord Arch Gorge" am besten gefallen.
  • Otway Tree Top Walk bei Lavers Hill - nur was für schwindelfreie Menschen
  • Mait's Rest - ein wunderschöner Rainforest Walk
  • und last but not least - Melbourne, eine faszinierende und sehr positive Stadt, der man mehr Zeit widmen sollte, als wir es getan haben (2 halbe Tage)
Unsere Tour
Feuer machen
Outbackpiste
Gasgrill
Trephina Gorge
gro�e Ameisen
East McDonnel Ranges
Highway im Northern Territory
King's Canyon
King's Canyon
The Climb am Ayers Rock / Uluru
Thorny Devil
Ayers Rock
Kata Tjuta - Olgas
Henburry's Crater
Mt. Dare
Mt. Dare
Dailhousie Springs
Coober Pedy
Floodway
Road Train
Kängurus
Känguru
Flussbett
Waran
Kookaburra
Agaven
Getreideernte
Familienbande
Wasserfälle
Hall's Gap
Stock Exchange
Echidna
Koala
Kochen im Outback
Koala
Great Ocean Road
Otway Fly
Koala
Mait's Rest
The Hinterland
The Hinterland
Dockways
Kunst in Melbourne
strange ...
Melbourne
 
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