Pedelec - Erfahrungen

Inhalt:
Motor - das Knacksen des Boschantriebs
Boschmotor - die Sperrklinken
NuVinci Harmony - die Schaltung
NuVinci - die Nabe
Stevens - das Fahrrad
Ortlieb - die Satteltaschen

Motor - das Knacksen des Boschantriebs

Der an unserem Modell verbaute "große" Boschmotor, hat zwei Eigenarten, die ihn zu Unrecht etwas in Verruf gebracht haben.

Da ist zum Einen das berühmte Knacksen. Dieses Knacksen tritt synchron zur Kurbelbewegung auf und hört sich an, als ob jederzeit ein wichtiges Teil brechen könnte. Tut es aber nicht. Das Knacksen rührt nach mittlerweile gefestigter Überzeugung der Radfahr-Gemeinschaft aus einem minimalen Spiel im Presssitz des rechten Kugellagers im Motorgehäuse. Abhilfe schafft hier ein bißchen Fett beim Einbau oder alternativ das Einlaufen von etwas Öl in die Fuge, wenn man den Motor nicht öffnen möchte.

Hierzu muß das Fahrrad auf die linke Seite gelegt werden. Mit einer Spritze wird versucht, durch die dreieckigen Aussparungen im Spider - dem Haltearm des Kettenrads - die Fuge zwischen Motorgehäuse und Lager zu treffen. Mehrere Tropfen Öl sollten schon durch jedes Dreieck gespritzt werden, dann das Ganze einige Minuten einsickern lassen. Länger ist besser. Das Procedere wurde perfekt im Pedelecforum beschrieben.

Bei Juttas Fahrrad trat das Knacksen nach etwa 700 km auf, die Ölbehandlung hat nun nach weiteren 1000 gefahrenen Kilometern kein weiteres Knacksen mehr auftauchen lassen. Alberts Fahrrad ist hingegen ohne Behandlung 6000 km knacksfrei unterwegs gewesen.

Boschmotor - die Sperrklinken

Nach einigen Betriebskilometern und Monaten wurden weitere Probleme berichtet: die Kurbeltrieb trat bisweilen durch.

Ursache für dieses Problem ist, daß die Freilaufsperrklinken nicht mehr richtig in ihrer Ruheposition ausfedern. Hierfür verantwortlich ist das Lagerfett, das offenbar unter bestimmten Bedingungen fest wird. An Alberts Rad trat dies nach 6000 km (2 Jahren), also präzise nach Ende der Gewährleistungsfrist auf.

Da das Problem bekannt ist, repariert Bosch den Motor zwar auf Kulanz, aber aufgrund der großen Menge an Reklamationen dauert die Reparatur einige Monate - den Einbau eines Ersatzmotors während dieser Zeit ließe sich der Händler mit 80,- € bezahlen. Weil der Defekt zu Beginn der Saison auftrat, entschloß ich mich, das Lagerfett selbst zu wechseln.

Hierzu muß der Motor von der rechten Seite geöffnet werden und das Antriebszahnrad entfernt werden. Darunter liegen dann zwei - verklebte(!) - Sperrklinken. Die Anleitung zur Demontage des Kettenblatts sowie zum Öffnen und Fetten des Motors sind auch wieder perfekt im Pedelecforum beschrieben.

Nachtrag

Der Motor wurde dann doch auf Kulanz getauscht, weil sich nach weitern 100 km auf einmal knacksende Geräusche bemerkbar gemacht hatten. Eine Ursache könnte der zu fest angezogene Spider gewesen sein - obwohl ich diesen mit einem Drehmomentschlüssel eigentlich nach Vorgabe angezogen hatte.

NuVinci Harmony - die Schaltung

Fantastisch ist ein stufenloses Getriebe, doch leider fing die Harmony nach knapp 1000 km bei beiden Rädern an, zu sensibel zu schalten. Irgendwann hörte man ein Kollern in der Nabe und die Trittfrequenz veränderte sich erst minimal, dann in größeren Wellen.

Die Suche nach einer Lösung führte mich zur NuVinci-Software, mit der man die Schaltstufen von "unendlich" auf 16 herunterschrauben kann: nun ist Ende mit der Rumschalterei. 16 Schaltstufen (in der Software heißt das Gear-Emulation) sind absolut ausreichend und es wird nur noch geschaltet, wenn sich die Kurbeldrehzahl signifikant ändert

NuVinci Harmony - ist vergesslich

Sommer 2016: die Steuerung vergiß die Kalibrierung. Zunächst selten, dann immer häufiger. Ein Zustand der auf die Dauer unerträglich wird. Es gibt hierfür leider nur eine Möglichkeit der Reparatur: das Steuergerät an der Nabe muß getauscht werden. Da die Räder nu schon über 3 Jahre alt sind, springt hier Fallbrook nicht ein und wir müssen die 250 € pro Rad selbst bezahlen. Sehr ärgerlich, aber jetzt läuft die Schaltung wieder einwandfrei - ja sogar irgendwie etwas sanfter.

Sommer 2017: wieder vergißt die Steuerung die Kalibrierung und läßt sich nur mühsam neu kalibrieren. Es soll ein weiterer - diesmal kostenloser - Tausch des Steuergerätes vorgenommen werden. Wir sind gespannt, ob sich dieses bewährt.

NuVinci - die Nabe

Nach 1700 km (1,5 Jahre) wurde bei einer Inspektion an Juttas Fahrrad festgestellt, daß die Nabe zu viel axiales Spiel hat. Die Nabe wurde vom Händler zu Nuvinci eingeschickt und nach 3 Wochen war das Rad wieder komplett. Leider konnten wir nicht feststellen, ob die Nabe repariert oder komplett ersetzt wurde. Die Nabe an Alberts Rad hat trotz dreifacher Kilometerleistung keinerlei Auffälligkeiten

Stevens - das Fahrrad

Der Rahmen des Stevens Caprile ist vielleicht nicht der leichteste. Aber was Stabilität angeht - 60km/h den Berg runter, in Kurven, unter Belastung - erste Wahl. Der Gepäckträger hält tatsächliche auch schwere Lasten (Laptop, 1l-Edelstahl-Thermoskanne, Werkzeug, Brotzeit, Klamotten, was man so braucht ;-) ) über hoppelige Strecken und längere Distanzen (>50km) ohne zu murren.

Mein absoluter Liebling sind aber, neben der gigantischen Beleuchtung, die Scheibenbremsen. So feinfühlig und trotzdem mit zwei Fingern unglaublich leicht zupackend zu bremsen ist klasse. Ich kenne noch den Rücktritt einer Sachs 3-Gang-Nabe und auch die Felgenbremsen auf Stahlfelgen. Die Felgenbremsen unserer letzten Touring-Räder waren schon recht gut, aber auf ordentliche Scheibenbremsen möchte ich nicht mehr verzichten.

Ortlieb - die Satteltaschen

Die taz hat ihren Genossen das Angebot von Ortlieb Satteltaschen (Backroller) gemacht, da haben wir natürlich zugeschlagen. Das war eine gute Idee, denn die Ortlieb-Taschen sind wirklich sehr ausgereift. Die Befestigung am Gepäckträger ist einstellbar und so konstruiert, daß man die Tasche mit einem Handgriff(!) abnehmen kann. Gleichwohl hält sie im montierten Zustand bombenfest und frißt wirklich jede Menge Gepäck: 20 Liter! Zum Beispiel meinen riesigen Firmenlaptop inclusive Schaumpuffer um das Gewebe der Satteltasche nicht zu beschädigen. Die Regendichtigkeit haben wir zum Glück noch nicht testen müssen, aber einen Motorrad-Packsack mit gleichem Verschluß hatten wir schon erfolgreich im Einsatz. So macht auch das Mitnehmen von allerlei Kram Spaß!

6000 Kilometer
Sperrklinke verharzt
Sperrklinke gefettet
Sperrkranz innen
weniger ist mehr
Ölspalt
Spider
NuVinci 16-Gang
 
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