Motorrad - Pyrenäen 2012

Wir hatten uns für dieses Jahr die Pyrenäeen als Urlaubsziel ausgesucht, weil wir uns dort sowohl tolle Landschaften, schöne Motorradstrecken und auch "lecker Essen und Trinken" erhofften. Wir sind bei allen drei Kriterien auf unsere Kosten gekommen, dazu hatten wir auch noch traumhaftes Wetter.

Allerdings muß ich die Qualität bezüglich des Wetters etwas relativieren: Wir hatten uns sehr viel Zeit reserviert, um Puffer bei der Tourgestaltung zu haben - zum Beispiel um weniger gute Wetterlagen zu umgehen. Und genau das haben wir auch zweimal gemacht. Die vermeintlich "verschenkten" Motorradtage waren, im Nachhinein betrachtet, optimal angelegt, denn die echten Motorradtage waren daher fast ausnahmslos bei hervorragendem Wetter zu genießen. Doch nun zur Beschreibung.

Wir hatten uns überlegt, mit dem Autoreisezug nach Narbonne zu fahren und von dort unsere Tour zu starten. Allein, es schreckte uns Preis und mangelnde Flexibilität. Zudem traf es sich, daß Herbert noch eine großzügige Runde durch das Tal der Tarn drehen wollte und die Anreise dahin auf seinem Hänger plante. Der Hänger bietet glücklicherweise so viel Platz, daß auch drei dicke BMWs darauf verladen werden konnten. Er bot uns die Mitfahrt bis vor's Tarntal an und wir nahmen das Angebot dankbar an.

Auf diese Weise sind wir auch noch in den Genuß von drei Tagen Fahrt durch die wunderschönen Cevennen gekommen. Leider hatte Herbert die Haltbarkeit seines Hinterreifens auf den teilweise recht scharfkantigen Asphaltstrecken in Frankreich überschätzt - den letzten Tag unserer gemeinsamen Fahrt mußte er hinter uns her "tourenschwuchteln". Da wir ja noch gut 4000 km vor uns hatten, sind wir von Anfang an recht gemütlich unterwegs gewesen - was sich beim Reifenverbrauch auch positiv bemerkbar gemacht hat.

Die Cevennen sind alleine schon einen Urlaub wert. Man kann dort in vielfältigster Weise den Urlaub genießen - es muß nicht mit dem Motorrad sein. Wir genossen natürlich die wenig befahrenen guten Straßen, malerische Flußtäler und die traumhaften Ausblicke über die Berge - zum Beispiel bei der Fahrt über die Corniche. Ein englisches Päarchen machte uns bei einer Kaffeepause darauf aufmerksam, daß wir quasi am Fuße der Anfahrt zu der Hügelkette waren und so verlängerten wir den Tag noch um diesen Abstecher.

Das Viaduct von Millau ist natürlich ebenso ein Muß, ein gigantisches Bauwerk, das einen Platz zwischen den historischen Chateaus und Städtchen verdient hat.

Die Cevennen verließen wir südwärts und weil es sehr heiß war, passierten wir Carcassone nur als Durchfahrtsort und suchten kühlere Unterkunft am Fuße der Pyrenäen. Die fanden wir auf's trefflichste nicht wie beabsichtigt in der Domaine St. George, die leider ausgebucht war, sondern auf seine Empfehlung bei seinem freundlichen Nachbarn Jeremy in der Domaine La Monèze Basse, deren behindertengerechte Unterkunft topmodern und stilvoll eingerichtet war. Schade, daß wir nur eine Nacht bleiben konnten.

Von dort führte uns ein kurzer Abstecher in das ehemals malerische Fischerdorf Colliure an der Côte Vermeille. Ob der Berühmtheit des Ortes - zahlreiche namhafte Künstler weilten hier - ist es nun allerdings mit der Romantik vorbei - der Ort ist voll von Touristen und rundherum sind Kolonien von Ferienwohnungen entstanden. Wir fuhren weiter nach Prades - und auch hier war die angepeilte Unterkunft Villa du Parc schon belegt. Und auch hier sind wir kompetent weitervermittelt worden - an das britisch geführte Bed and Breakfast Villa Lafabregue - Jutta war entzückt, mal wieder richtigen Tee zu bekommen. Hier haben wir dann auch zwei Nächte verbracht.

Wir planten für den steilen Aufstieg zu Saint Martin du Canigou und den Aufstieg in der Festung Peyrepertuse nur leichtes Motorradgepäck, denn es war ja traumhaftes Südfrankreich-Wetter.

Das war auch gut so, denn der Aufstieg zu dem halsbrecherisch auf einen Fels gebauten Kloster hat uns ca. 40 Minuten gekostet - und jede Menge Schweiß freigesetzt. Ebenso halsbrecherisch ist die Festung Peyrepertuse gebaut. Hier ist der Aufstieg etwas einfacher - man kommt mit dem Fahrzeug recht weit hoch - aber das Kraxeln in der Festung ist etwas anstrengender - zumal die Sonne etwas höher stand. Beide Ziele lohnen aber auf jeden Fall die Anstrengung - jedes auf seine Art. Von Peyrepertuse kann man das Chateau Queribus sehen, auf den Weg dorthinauf haben wir aber dann doch verzichtet.

Am Kassenhäuschen zum Eingang in die Festung durften wir noch die Frage beantworten, aus welchem Département wir kommen - die Franzosen führen offenbar eine Statistik über die Besucher. Meine Antwort "Département Allemagne" führte zu großer Erheiterung, Juttas Erläuterung, daß wir zu Napoleons Zeiten mal zum Département de Rhin-et-Moselle gehörten, zu entsprechendem Erstaunen.

Am nächsten Tag sind uns auf dem Weg zur Gorge de la Fou - der wohl engsten Klamm der Welt - wieder mal ein paar besondere Zeitgenossen im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg gelaufen. Eine Ziegenherde mit großen und kleinen Ziegen - und einige davon mit stattlichem Kopfschmuck ausgestattet. Unvermittelt kamen die Tiere vom steilen Hang rechts der Straße über die Straße gelaufen und verschwanden ebenso flott wieder im Wald. Ja, den Bauernhof, an dem für Ziegenkäse aus eigener Herstellung geworben wurde, haben wir vorher gesehen - aber wer hätte gedacht, daß die Herde so frei durch's Unterholz trabt?

Die Gorge de la Fou ist eine recht beeindruckende Klamm - nicht sehr hoch, aber sehr schmal. Im Reiseführer stand, daß es in der Schlucht sehr kühl ist, daher beschlossen wir, den Motorradhelm zu tragen, statt der dort ausgegebenen Berghelme. Das war ein Fehler, denn es ist zwar kühler in der Schlucht als draußen, aber es geht gut 2 km zu Fuß bergauf durch die Schlucht, und so kam insbesondere Albert so sehr ins Schwitzen, daß er nicht bis zum Ende durchhalten wollte. So verpaßten wir am Ende der Schlucht die Tropfsteinhöhle. Der aufmerksame Beobachter übrigens hätte am Eingang sehen können, daß eben jene zum "Programm" gehört und hätte nicht schon nach einem Kilometer schlapp gemacht ;-)

Aufgrund der Schlechtwetter-Vorhersage in den Pyrenäen beschlossen wir, an der Mittelmeerküste ein bißchen Pause zu machen. Ein ländliches Bauernhaus Mas Ramades bot eine sehr angenehme, ruhige Alternative zu den Bettenburgen an der Costa Brava. Der naheliegende Ort Estartit gibt ein Eindruck, wie der Pauschalreisende hier üblicherweise unterkommt und lebt. Das war nichts für uns.

Glücklicherweise hat uns unsere Gastgeberin das Lokal Can Dolç empfohlen, das etwas im Landesinneren liegt und uns kulinarisch verwöhnte. Leider war das nicht mehr zu Fuß von unserer Unterkunft zu erreichen, und so mußte einer noch fahren. So kamen wir in Erinnerung an alte Zeiten nochmal zu einer Soziusfahrt durch den Abend. Jutta konnte vom Soziussitz sogar ein kleines Filmchen drehen - sehr witzig!

Von diesem Bauernhaus haben wir dann den Weg nach Figueres gemacht, um dort das Dalí-Museum und die Festung Castell de Sant Ferran, die größte Festung Europas aus dem 18. Jahrhundert zu besichtigen.

Fahren mit Navi

Nach jeder Tagestour haben wir die Route für den nächsten Tag auf einer Karte im Maßstab 1 zu 1 Mio grob geplant und dann entweder nach Städten oder direkt nach Positionen auf der Karte in den Navi programmiert. Damit war das Fahren völlig streßfrei, Jutta hatte manchmal noch eine Liste der Städte in der Kartentasche, aber eigentlich war das nicht nötig.

Mit dem Navi gestaltet sich auch das spontane Suche nach Tankstellen deutlich entspannter. Auch Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten ließen sich so sehr elegant anfahren. Auch wenn ich 30 Jahre ohne Navi ausgekommen bin: der Zugewinn an Fahrkomfort ist gigantisch. Davon abgesehen, weist die Maschine auch noch auf die gerade geltende Höchstgeschwindigkeit hin - das ist gerade im Ausland ein großer Mehrwert.

Mehr zum Fahren mit Navi

Im Reiseführer wird davor gewarnt, das Dalí-Museum an Tagen mit schlechtem Wetter zu besuchen, weil dann die Touristen der Costa-Brava dort Zerstreuung suchten - das Museum wäre dann zum Platzen voll. Wir waren bei Topwetter da, und es war schon zum Platzen voll! Trotzdem ist es auf jeden Fall einen Besuch wert - 2-3 Stunden sollte man hierfür aber mindestens einplanen. Es ist fast unglaublich, wie vielfältig Dalís Schaffen war. Von völlig abgefahrenen Montagen bis zu optischen Täuschungen und sogar Gemälden in 3D! Irre!

Etwas mehr Ruhe hatten wir dann auf dem Festungsgelände, weil der Touristenstrom komplett an ihm vorbei ging. Dank des hervorragenden Audioguides bekommt man auf dem Rundgang einen guten Einblick in Zweck, Planung und Betrieb der Anlage. Eine gewaltige Anlage - es fällt mir schwer zu glauben, daß der Aufwand, diese Anlage zu bauen, sich tatsächlich gerechtfertigt hat: sie wurde zum Schutz gegen die Franzosen gebaut, wurde aber von ihnen eingenommen . . .

Einen weiteren Tag mit Schlechtwetter-Prognose in den Bergen haben wir genutzt, um im Landesinneren Juttas langjährige Freundin Marion und ihre Familie zu besuchen. Der Hausherr Vicenç ließ es sich nicht nehmen, uns eine köstliche, original valencianische Paella zuzubereiten. Ohne Meeresfrüchte aber mit Hühnchen und Kaninchen. Und das ganze stilecht auf einem Holzfeuer - mit aus Deutschland importierter Feuerschale.

Nachdem sich das Gewitter fast verzogen hatte, machten wir uns wieder auf den Weg in die Berge. Auf dem Weg nach La Seu d'Urgell hat uns allerdings doch 8 km vor dem Ziel noch ein Guß erwischt - nicht allzu schlimm. Schlimmer war es für die Teilnehmer am dortigen mittelalterlichen Markt - der war dann vermutlich früher zu Ende als geplant. Aber schon am nächsten Tag war wieder Bombenwetter und wir sind mit einem Abstecher ins lauschige Tal Val de Boi weiter nach Ainsa gefahren.

Ohne unseren Navi hätten wir dort sicher nicht das Hotel im mittelalterlichen Ortskern oberhalb der jetzigen Stadt gefunden. Im Hotel Los Siete Reyes erwartet man aufgrund des beengten äußeren Umfeldes kaum eine derart großzügige und geschmackvolle Raumgestaltung. Sehr zu empfehlen!

In anderer Richtung bemerkenswert auf der anderen Seite des Marktplatzes war, daß zum Essen unaufgefordert Brot gereicht wurde, das dann auf der Schlußrechnung erschien, ohne daß wir es verzehrten. Ein heftiger Disput mit der Inhaberin über die Rechnung endet mit einer gekürzten Rechnung und einer ziemlich eingeschnappten Señora. Also aufgepaßt, diese Praxis erschien uns nicht unüblich in Touristenrestaurants, zumal wir mittags die gleiche Erfahrung machen mußten - allerdings das Brot verzehrten und deswegen auch bezahlten. Der "Terrassenzuschlag" am letztgenannten Ort fällt unseres Erachtens nach in die gleiche Kategorie.

Für den Parkplatz am Naturamphitheater Cirque de Gavarnie waren wir zu geizig - im Nachhinein zeigte sich, daß wir von dort mit unseren Klamotten nochmals 3 km hätten laufen müssen, um den Trichter richtig wahrnehmen zu können. Daher genießen wir dieses Objekt komfortabel und kostenfrei nur virtuell in Google Earth.

Die nächste Übernachtung in Bagnères-de-Bigorre machten wir in einem Hotel, das - ebenso wie der Ort - seine besten Zeiten schon hinter sich hatte. Allerdings können wir dort das Restaurant La Courte Echelle empfehlen. Das Essen ist wirklich gut, preiswert und der Inhaber sehr freundlich und witzig.

Ob wir wirklich in Lourdes von den Motorrädern absteigen müßten, oder ob eine Durchfahrt genügen würde, um den Wahnsinn in ganzer Tiefe wahrnehmen zu können, darüber entspann sich eine intensive Diskussion über die neu erworbene Bluetooth-Sprechanlage in unseren Helmen. Langer Rede kurzer Sinn: wir stellten die Moppeds sicher ins Parkhaus - nicht daß uns jemand diese auf offener Straße noch unverlangt segnet - und machten uns zu Fuß in das Herz der Pilgerstätte. Vorbei an Devotionalienläden, die den Vergleich mit denen einer Fußball-WM oder eines Formel 1-Rennens nicht scheuen müssen. Betroffen machte uns allerdings der Anblick der vielen kranken Menschen, die dort ernsthafte Hilfe erwarten. Wir hatten den Eindruck, daß mit dem Leid der Menschen dort Geschäfte gemacht werden. Lourdes ist nach Paris die Stadt mit den meisten Hotelbetten in Frankreich! Für 1,80 € Parkentgelte war unser Obolus an die örtlichen (?) Geschäftsleute erbracht, und wir fuhren Richtung Atlantik.

In Bayonne, neben Biarritz gelegen, aber nicht ganz so überlaufen, fanden wir eine alte Villa , die sehr schön über der Stadt gelegen ruhige, interessant eingerichtete Zimmer bietet. Von hier haben wir am nächsten Tag den ehemals mondänen Badeort Biarritz mit dem Bus erschlossen, da der Wetterbericht für die Pyrenäen nicht viel Gutes prophezeite.

Auch Biarritz hat seine besten Tage hinter sich, ist aber immer noch sehr schön anzusehen. Es lohnt sich der Bummel am Strand, am Hafen, durch die Straßen - und vor allem der Besuch des Musée de la Mer. Jede Menge Aquarien mit Salzwasser und wohl eines der größten Haifisch-Aquarien (1,5 Mio Liter) der Welt. Sehr zu empfehlen!

Zurück in Bayonne nahmen wir das Angebot einer Besichtigung eines "Schinkenherstellungsbetriebes" an. Man sollte schon ein bißchen französisch sprechen, sonst hat man nicht viel von der Führung, sondern nur den Genuß beim Verkosten von ein paar Schinken- und Wurstscheiben. Der Anblick von 500-1000 Schinken, die so unter der Decke hängen, ist allerdings etwas ganz Spezielles.

Den Abend verbrachten wir wieder in Bayonne und von den Restaurants an den Ufern der Nive sagte uns keines so recht zu. Also bummelten wir in weiterem Umkreis durch die Stadt und fanden zufällig das winzige Restaurant Chez Martin in dem wir sehr exquisit und doch preiswert speisten und tranken. Eine gute Alternative zu dem "Standardessen" der Straßenlokale.

Die Wetterlage versprach für die kommende Woche einige intensive Regengebiete über Frankreich. So gaben wir unseren Plan, über die Loire und die Burgbaustelle nahe Nevers zu fahren, auf. Wir fuhren am Rand der Pyrenäen wieder gen Osten und schauten uns nochmal ein altes Bauwerk an: die Kathedrale in Saint-Bertrand-de-Comminges. Der Ort wird seit fast 2000 Jahren bewohnt - und auch hier liegt die Blütezeit in der Vergangenheit - vor etwa 1500 Jahren. Trotzdem ist das Örtchen und die Kathedrale sehenswert. Die Unterkunft ist dort eher schlicht.

Einen unerwarteten Höhepunkt gab es dann bei der letzten Übernachtung, die wir aufgrund eines Straßenschildes ansteuerten. die Domaine de Rodié ist eine alte Villa, die abseits der Strecke verträumt liegt und mit stilvoll eingerichteten Zimmer und sehr guter Küche aufwarten kann. Auch hier hätten wir gerne mehrere Tage übernachtet - der Platz ist eine Oase!

Tja, das war's - beim Rückweg über die Autobahn ist eigentlich nur noch erwähnenwert, daß die Bluetooth-Headsets über 12 Stunden durchgehalten haben - und bis 120 km/h noch eine Verständigung zuließen - klasse die Dinger, nie mehr ohne Funk!

Mehr zum Fahren mit Funk

Abschußrampe?
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Und hier ein kleines Video

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