Reisebericht Kuba, Januar 2018

Inhalt:
Eine Zeitreise
Teil 1: 10 Tage Gruppenreise durch den Westen
Havanna
Viñales
Cienfuegos
Trinidad
Teil 2: 7 Tage zu zweit im Jimny durch den Osten
Camagüey
Santo Domingo, Comandancia de la Plata
Santiago de Cuba
Guantanamo
Baracoa
Cayo Saetia
Teil 3: Persönliche Kubaerfahrungen
Das CUC-Trinkgeld als Nebenverdienst
Die Serviceorientierung der Kubaner
Reisen auf eigene Faust
Essen unterwegs
Abendessen im Restaurant
Die Kubaner und Musik
Kuba und die Energie
Kuba und die Revolution
Kuba - ein persönliches Fazit

Kuba - eine Zeitreise

Je länger wir über unsere Erlebnisse nachdenken, desto schwerer fällt es uns, ein klares Bild unserer Eindrücke zu vermitteln.

Ein Land,

  • in dem im Großen der Sozialismus von den Menschen akzeptiert wird, aber im Kleinen der Kapitalismus praktiziert wird.
  • in dem von den Fassaden der Putz bröckelt, aber alle Menschen sauber und ordentlich gekleidet und frisiert sind.
  • in dem die Straßen holprig und löchrig sind und sich Pferdekutschen und Pferdefuhrwerke, Autos aus 50 Jahren Automobilgeschichte und modernste Elektroroller die Straße teilen.
  • das Genußmittel wie Alkohol und Tabak herstellt und liebt und trotzdem die Liste der typischen verfügbaren Speisen keine DIN A4-Seite füllt.
  • in dessen Landeswährung man für extrem wenig Geld Grundnahrungsmittel bekommt, in dem man aber in "Touristenwährung" viele Dinge des westlichen Lebensstils kaufen kann.
  • in dem fast 24 Stunden am Tag Leben ist, aber nie Streß und Hektik zu fühlen sind.
  • in dem die Menschen freundlich und hilfsbereit sind, aber in dem man zum Trinkgeld geben geradezu verpflichtet wird.

Kuba lebt im Spagat zwischen dem alten Mangelsozialismus und dem sich entwickelnden westlichen Luxus. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass dieses Land so schwer zu begreifen ist.

In den Touristenstädten wird das klassische Programm an Cabriofahrten und Besichtigungen, Bars und Musik geboten. Wer andere Seiten des Landes und kennenlernen möchte, der muß sich auf eigene Faust ins Hinterland aufmachen. Wenn man solide Spanischkenntnisse besitzt, kann man bei Übernachtungen in den Casas particulares, den Privatunterkünften, mit den Wirtsleuten in Gespräch kommen. Manche sprechen auch englisch oder gar ein bißchen deutsch. So kann man eher das Leben der Menschen dort kennenlernen und sich in deren Situation einfühlen.

Unsere Reise in Kurzform:

Teil 1: 10 Tage Gruppenreise durch den Westen

Im ersten Teil hatten wir als 13-köpfige Gruppe mit Freunden die Bequemlichkeit eines eigenen Reisebusses. Ein noch viel größerer Luxus war allerdings, dass wir auch einen "persönlichen" Gästeführer hatten. Hector ist ein Kubaner mit sehr viel Erfahrung und Wissen - und noch dazu sehr guten Deutschkenntnissen - kein Wunder, er hat ja mal Germanistik studiert. Er hält die Gruppe zusammen und weiß fast alles über Historie, Land und Leute. Pocholo, unser Busfahrer, chauffierte uns sanft über die bisweilen schlechten Straßen und hielt den Bus innen und außen immer picobello in Ordnung.

Havanna

Wir hatten drei volle Tage in Havanna zur Verfügung und dort neben Stadtrundgängen, einer Radrunde auch die unvermeidliche Fahrt in offenen Oldtimern gebucht. Obwohl es uns sehr touristisch vorkam: Es macht dann doch Spaß, wenn man drin sitzt. Der Besuch im Rummuseum fiel inhaltlich eher schmal aus, die praktischen Versuche beim Cocktailworkshop in einer schicken Bar waren da schon anregender. Ob man die Kanonenschußzeremonie an der Festung erleben muss, ist Geschmacksache. Ein Besuch auf dem Landgut von Ernest Hemingway war interessant, das anschließende Essen im Küstenort Cojímar im Restaurant Las Terrazas war eher verzichtbar. Alles in allem waren die drei Tage aber gut zum Warmwerden.

Erwartungsgemäß war Havanna schon sehr touristisch geprägt - in die berühmte Bar von Hemingway - das Floridita - haben wir nur mal kurz reingelugt. Gute Mojitos und angenehme Stimmung bekommt man anderswo preiswerter. Richtig gut hat es uns bei Bembé und Sia Kara gefallen - beides Bars in der Calle Barcelona, hinter dem Capitol - bei Bembé war das Essen auch ausnehmend gut, der Service bei beiden hervorragend.

Lokale, die zur besten Zeit leer sind, sollte man meiden - hier ist entweder die Qualität schlecht oder der Preis überzogen - oder beides.

Unterkunft fanden wir in Havanna im Hotel Inglaterra - einem Haus mit recht gutem Service. Wenn man sicher sein will, dass mein kein Zimmer ohne Fenster(!) erhält, muss man aber ein Zimmer mit Balkon buchen, denn es gibt auch Zimmer ganz ohne Fenster!

Viñales

Viñales ist landschaftlich sehr reizvoll - ein Landschaftsfoto von Viñales fehlt in keinem Reiseführer. Unterkunft findet man dort in einer der vielen Casas particulares. Die Vermieter wohnen im gleichen Haus und sind in der Regel sehr freundlich und zuvorkommend. Wir bekamen sogar das Angebot, einen oder zwei Mojitos als Absacker dort auf der Terasse zu nehmen. Natürlich muss man das gesondert bezahlen, aber es ist meist etwas günstiger und man sitzt ggf. etwas gemütlicher als in den Kneipen. Wenn man ein bißchen spanisch spricht, erfährt man auf diese Art auch etwas über das Leben, Land und Leute.

Unsere Gruppe machte im Tal von Viñales eine kleine Wanderung entlang von Maniokfeldern und schaute den Bauern bei der Tabakernte zu. Bei der Besichtigung der Tabakhalle gab es auch eine kleine Demonstration der Zigarrenherstellung - und natürlich durfte probiert werden. Nahezu unvermeidbar war dann auch der Kauf einer Packung von Zigarren - 15 Stück für 20 CUC. Leider waren von 15 Stück aber nur etwa 4 gut rauchbar - die anderen zogen entweder schlecht oder gar nicht. Die berühmten Zigarren von Cohiba, die wir später in einem anderen Laden kauften - 15 Stück für 55 CUC, zogen erheblich besser - aber eben auch nicht 100%ig. Vielleicht ist die Exportware dann doch noch hochwertiger? Sehr lecker war hingegen der Cocktail aus Pampelmusensaft, frisch gepreßtem Zuckerrohrsaft und einem(!) Schuß Rum, den wir bei einer Rast auf dem Wege genießen konnten.

In Viñales werden aller Orten auch Ausritte angeboten. Nach Inaugenscheinnahme der Pferde sahen wir aber von einer Reiteinlage ab. Statt dessen lernten wir viel über die lokalen Pflanzen, indem wir uns von Hector auf dem Fußwege durch die Felder die eine oder andere lokale Frucht erläutern ließen und verkosteten.

Cienfuegos

Der Stadtrundgang in Cienfuegos verlief unter deutlich weniger touristischer Anteilnahme der Bevölkerung. Hier haben wir auch das tolle alte Teatro Tomas Terry besichtigen können. Fotografieren kostet dort 5 CUC pro Apparat. So hat die Gruppe beschlossen, das es genügt, wenn einer fotografiert. Auf dem Weg nach Trinidad haben wir dann noch einen Nachmittag am Strand von Ancón verbracht. Karibik wie aus dem Bilderbuch - wirklich traumhaft schön. Und die Strandbar dort versorgt einen gut mit allem, was gegen Durst und Trübsal hilft ;-).

Trinidad

... ist noch voller mit Touristen als Havanna. Wenn früher die Seeräuber über die Stadt herfielen, so sind es heute die Touristen. Ja, das hübsch hergerichtete Städtchen ist sehr malerisch - besonders in der karibischen Abendsonne - aber eben auch total voll. In den Restaurants dort fanden wir als Gruppe keine Lokalität, die uns zugesagt hätte, das heißt, wo wir als Gruppe ein Abendessen ohne Menüzwang erhalten hätten. So enterten wir den Innenhof eines Hostals, das zur Straße nur eine kleine schmucke Bar und einen Pizzaofen hatte. Das war dann recht gemütlich, und der Betreiber war etwas verdutzt, wie unkompliziert wir uns auf die etwas beengte Tischsituation eingestellt haben. Nach einigen Tagen kubanischen Essens war uns die Pizza auch mehr als willkommen.

Nach Trinidad trennten wir uns dann von der Gruppe, die dann wieder die Heimreise antrat. Wir hingegen übernahmen einen kleinen Suzuki Jimny, der uns dank kompakter Abmessungen und zuschaltbarem Allradantrieb für unsere geplante Tour geeignet erschien.

Teil 2: 7 Tage zu zweit im Jimny durch den Osten

Da die Gruppe nur 10 Tage gemeinsame Zeit aufbringen konnte, wir aber mehr Zeit in Kuba verbringen wollten, hängten wir noch eine Woche dran, um den weniger bekannten Osten etwas näher kennenzulernen. Die Unterkünfte in Hostals bzw. Casas particulares hatten wir vorgebucht, ebenso das Fahrzeug. Wir mußten also nur noch hinkommen und vor Ort etwas unternehmen.

Camagüey

In Camagüey haben wir uns trotz der Offline-OpenStreetMap-Karten in den Einbahnstraßen fast verfahren - aufgeregte Kubaner wiesen uns aber sehr schnell auf die falsche Fahrtrichung hin. Glücklicherweise war unser Suzuki ziemlich schmal und kurz, so kamen wir auch durch die engsten Gassen. Geparkt haben wir den Wagen im Hinterhof eines Bekannten des Zimmervermieters - 3 CUC für die Nacht für diesen sicheren Platz erschien uns als fairer Preis.

Die Straßenbeschilderung in Kuba ist ingesamt mehr als spärlich, und nicht immer ist eine überregionale Landstraße als solche zu erkennen. Es ist daher unbedingt empfehlenswert, sich vor der Einreise mit Offline-Karten auf dem Handy zu versorgen, um sich so zu orientieren. Insbesondere, weil es unterwegs keinen Internet-Zugang zu Maps und Co gibt. Das Mobilfunknetz beschränkt sich auf das Umfeld großer Hotels, einiger öffentlicher Gebäude und ETECSA-Niederlassungen.

Santo Domingo, Comandancia de la Plata

In der Sierra Maestra liegt am Berg eine kleiner Ort, der als Ausgangspunkt für eine Wanderung zur "Comandancia de la Plata", dem ersten Stützpunkt Fidel Castros dient. Hier hat Fidel Castro 6 Monate lang seine erste Guerilla-Armee zusammengezogen, es ist also ein ebenso schöner wie geschichtsträchtiger Ort. Eine nette Unterkunft mit kuscheligen Häuschen nahe eines Baches ist die Casa Sierra Maestra. Die Fahrt dorthin war schon recht spannend, denn es geht steil bergauf und bergab über eine Betonpiste mit eingearbeiteten Querrillen. Bei Trockenheit kein Problem, bei Regen ist man darauf angewiesen, dass die Querrillen die Griffigkeit bieten, um nicht von der Straße geschwemmt zu werden.

Die Auffahrt zum Startpunkt der Wanderung war noch steiler als die Zufahrt. Sie wurde aber vom Veranstalter mit Kleinbussen chinesischer Bauart souverän gemeistert. Dann folgten 3km Fußweg zum Lager. Sie waren etwas anstrengend, da der Weg über Geröll ging und es im Wald natürlich feucht war. Ingesamt war die Wanderung aber zu schaffen und der Besuch des Lagers war durchaus beeindruckend, zumal ein Führer die Geschichte in sehr gutem Englisch erläuterte.

Santiago de Cuba

Über den Reiseveranstalter hatten wir voab eine 2-3 stündige Stadtführung "auf den Spuren der Bacardís" gebucht. Die Rumhersteller haben nämlich dort einige Spuren in der Stadtgeschichte hnterlassen. Unser Tourguide Guillermo, ein Textilingenieur, der zu DDR-Zeiten in Deutschland studiert hatte, war aber so gut, dass wir ihn spontan gebeten haben, uns auch für den Rest des Tages zu begleiten. Uns interessierte nämlich nicht nur die Geschichte der Bacardís, sondern vor allem auch die Geschichte Kubas und der Menschen nach der Revolution. So haben wir von ihm sehr viel über Santiago de Cuba, Kuba, die Kubaner und das Leben der Menschen erfahren.

Guantanamo

Weil wir schon mal dort waren, machten wir auch einen Stopp an der Bucht von Guantanamo mit Blick auf den US-Stützpunkt. Mit gemischten Gefühlen standen wir dort auf einem kleinen Aussichtsturm und schauten auf das Areal mit dem Gefangenenlager, von dem man selbst mit einem guten Teleobjektiv nur die große Radarantenne erkennen kann. So standen wir im sozialistischen Kuba und blickten auf den rechtsfreien Raum, in dem Menschrechte mit Füßen getreten werden und die Welt (uns eingeschlossen) nichts dagagen tut - da waren sie wieder, die Kontraste ...

Baracoa

Durch den Bezirk Guantanamo ging es dann über den Farola-Pass von der Südküste nach Norden. An der karibischen Südküste war as Wetter noch wunderschön. Auf der anderen Seite der Berge wurde das Wetter aber schnell schlechter. Es regnete in Strömen, so dass die Wanderung am nächsten Tag auf den Tafelberg "El Yunque" gefährdet war. Am nächsten Morgen hatte der Regen zwar etwas nachgelassen, aber die Wanderung war wegen der Nässe nicht möglich. Stattdessen buchten wir bei Cubatur eine leichte Tagestour durch Kakaoplantagen im äußersten Osten des Landes und eine kleine Ruderbootfahrt mit Abschluß am Strand. Tatsächlich war das Wetter im Osten wieder besser und wir genossen einen eher gemütlichen Tag. Abends versorgte dann noch ein freundlicher Nachbar unserer Gastgeber unseren fast platten Vorderreifen mit Luft. Die war abhanden gekommen, als ein aufdringlicher Werber für eine Unterkunft uns die Luft aus dem Reifen gelassen hatte, um für seine "Hilfe" ein paar CUC zu ergattern - kein ungewöhnlicher Trick. Aber dazu kam es nicht. Ein Kompressor für den Zigarettenanzünder ist in diesem Land ohne funktionierende Reifenluft-Infrastruktur kein Luxus!

Infrage gestellt war allerdings die Weiterfahrt nach Nord-Westen. Auf dem Weg entlang der Nordküste hatte nämlich vor zwei Jahren der Hurrikan Matteo eine Brücke weggerissen, so dass man den Fluß Toa derzeit nur über eine Furt queren kann. Am nächsten Morgen schauten wir uns diese Furt vor Ort an - und mußten umdisponieren. Denn aufgrund des Regens der vergangenen Tage trauten sich nicht mal die großen Kamaz-LKW bei dem starken Wasserdruck durch die Furt. So mußten wir gut 200 km Umweg fahren und waren an diesem Tag 360 km unterwegs.

Cayo Saetia

Der Weg führte uns zu Castros ehemaliger Jagdlodge. Die Tour ist anstrengend - und nur bei gutem Wetter mit einem normalen PKW zu machen. 10km vor der Halbinsel wird die Straße so schlecht, dass man bisweilen nur im Schritttempo vorankommt. Die 6 km Strecke auf der Halbinsel sind zwar etwas besser, aber bei Regen schlammig und glitschig. Wir benötigten für diese letzten 16 km mehr als 1 Stunde.

Die Unterkunft selbst entschädigt erstmal für die Strapazen - alles in deutlich besserem Zustand als im Rest des Landes. Allerdings war es dort recht einsam, denn es waren mit uns nur 5 Personen eingebucht. Wegen des Umwegs am Tag zuvor konnten wir auch den Strand nicht genießen - schade. Zu allem Überfluß war am Abreisemorgen wieder der Reifen vorne links platt - der Wagen war vor der Lodge unbewacht geparkt. Mag sein, dass es ein Zufall war, aber der Reifen war bei der Ankunft am Vorabend nach 360km Fahrt kein bißchen platt gewesen. Dank reichlich Erfahrung aufgrund von Sommer-Winterreifen-Wechsel in Deutschland war der Radwechsel dann aber ohne kubanische Hilfe in 15 Minuten erledigt. Das Ersatzrad - aus Sicherheitsgründen im Jimny und nicht außen - transportiert, hielt die Luft problemlos bis zum Flughafen Holguin. Eine funktionierende Luftzapfsäule war auf dem Weg dorthin übrigens nicht zu finden.

Teil 3: Persönliche Kubaerfahrungen

Vieles steht in Reiseführern, manches erlebt man erst vor Ort so richtig.

Das CUC-Trinkgeld als Nebenverdienst

Wir wußten, dass das Geben von CUC zu allen möglichen Gelegenheiten gern gesehen, bzw. erwünscht ist. Was uns allerdings genervt hat, ist die Tatsache, dass von einigen Kubanern bereits bei kleinen Gefälligkeiten die Hand aufgehalten wird. Auch das Anbieten von Stadtführungen oder das aufdringliche Vermitteln von Casas particulares ist uns an der ein oder anderen Stelle unangenehm geworden. In Havanna und anderen Touristenhochburgen wird man auf englisch oder gar deutsch sogar schon von weitem angesprochen oder angerufen, um etwas zu kaufen. Ob der Fülle der Angebote fällt es schwer, ein "no, gracias" zu erwidern - zumal man selbst nicht den Eindruck macht, etwas zu bedürfen. Steht man an einem Aussichtspunkt, so kommt ein Schwarm fliegender Händler an, sitzt man im Restaurant kommt sofort eine Combo an, die aufspielt und anschließend CDs für 10 CUC verkauft. Wenn man das dann ein paar Tage erträgt, wird man unfreundlich - was aber ungerecht den andern Kubanern gegenüber ist, die wirklich nett und hilfsbereit sind.

Den Vogel schoß einer ab, der an der Tankstelle sehr aufdringlich mit "welcome" "what's your name" und "i have room for 15 CUC" immer direkter wurde, bis er dann - als wir abwehrten - Luft aus unserem Reifen ließ. Er tat so, als wolle er uns auf einen platten Reifen hinweisen um dann "helfen" zu können - eine dort bekannte Masche.

Die Serviceorientierung der Kubaner

... ist sehr unterschiedlich. In öffentliche Restaurants und Bars wird man zunächst überschwänglich eingeladen - die Art der Einladung läßt allerdings in keinster Weise einen Schluß auf den Service und die Qualität zu. Am ehesten gilt: dort wo es leer ist, ist es nicht gut - gut ist es dort, wo es voll ist. Am frühen Abend ist es aber fast überall leer, daher sollte man nicht zu früh losziehen.
Außerdem gilt, dass typischerweise die Serviceorientierung bei Staatsbetrieben weitaus geringer ausgeprägt ist als bei den privaten Bars und Casas particulares.
Ebenso haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kubaner um einiges zugänglicher sind, wenn man mit ihnen auf spanisch kommuniziert, anstatt ihr häufig schlechtes Englisch zu strapazieren.

Reisen auf eigene Faust

Wer mit einem Leihwagen unterwegs ist, der sollte einige Dinge beachten. Zum Einen ist das Fahren in Kuba sehr sicher, alle Kubaner sind sehr rücksichtsvoll unterwegs. Alle Kubaner haben auch gehörigen Respekt vor der Polizei, da Vergehen sehr streng bestraft werden. Allerdings muß man berücksichtigen, dass einerseits die Straßen oft sehr schlecht sind und andererseits oft Pferdekutschen und Fuhrwerke den Verkehr - insbesondere in Städten - stark einbremsen. Tagesetappen von 300-400 km stellen unserer Erfahrung nach das Äußerste dar, was man auf Landstraßen schaffen kann. Und bei Überlandfahrten sollte man peinlich genau das Tankstellennetz im Auge behalten. Tankstellen gibt es Überland nur ungefähr alle hundert Kilomenter - und nicht alle Tankstellen führen Superbenzin (Gasoline special, 94 Oktan), so wie unser Suzuki Jimny es brauchte. Also am besten mit der Suche nach einer Tankstelle beginnen, wenn noch gut 250 km drin sind.

Wenn man sein Fahrzeug irgendwo abstellen möchte, sollte man unbedingt einen bewachten Parkplatz nutzen - in der Regel bekommt man diesen angeboten bzw. wird bei Sehenswürdigkeiten sowieso spontan von einem Parkplatzwächter angesprochen. Das kostete dann 1-3 CUC, aber man kann sich sicher sein, dass das Fahrzeug hinterher noch alle Räder hat und unbeschädigt ist - siehe oben: Luft raus lassen.

Wer mit "Öffentlichen" unterwegs ist, der muß noch viel mehr Zeit mitbringen - erstens weil die Fahrzeuge langsam sind, zweitens weil sie an "every pueblo" halten, und drittens, weil es keinen verläßlichen Fahrplan gibt. Wenn jemand am Straßenrand steht und mit Geldscheinen winkt, dann will er - gegen kleines Entgelt - als Anhalter mitgenommen werden.

Essen unterwegs

Wer es bei Überlandfahrten gewöhnt ist, mal irgendwo ein Brötchen mit Wurst und/oder Käse zu kaufen, der muß sich umstellen. Reisesnacks gibt es an Bus-Drehkreuzen schon, aber das Angebot ist extrem eingeschränkt. Mal gibt's Kekse, mal weiche Brötchen mit gerupftem Schweinefleisch - aber fast nie eine leckere Auswahl. Obst gibt es - vielleicht - unterwegs. Also am besten morgens gut frühstücken oder sich in der Abreisestadt irgendwie eindecken. Fast überflüssig zu erwähnen: Schokoriegel und Naschsachen gibt es fast gar nicht in Kuba.
Wenn man aus den Städten raus ist, dann wird auch nicht mehr so oft CUC als Zahlungsmittel akzeptiert. CUC können aber oft in Peso bzw. "moneda nacional" - bei uns zum Faktor 1:24 - umgetauscht werden. Kauft man Essen in der Landeswährung, sind die Kosten dafür verschwindend gering - das Angebot ist aber auch eher traurig.

Abendessen im Restaurant

In den Touristenstädten gibt es auch Restaurants mit englischsprachiger Karte und auch die Pizza hat - glücklicherweise - ihren Weg nach Kuba gefunden. Die Speisenauswahl ist allerdings recht übersichtlich.
Eine Gemüsesuppe vorweg gilt als typisch und kann entstandenen Flüssigkeitsverlust über den Tag alkoholneutral ausgleichen. Rind und Schwein werden entweder am Spieß oder als "Gulasch" in gerupfter Form präsentiert, Pollo - also Hühnchen - gibt es in verschiedenen Dareichungsformen. Alternativ gibt es gebratenen Fisch, Garnelen oder "Lobster" - der fälschlicherweise als Hummer übersetzt wird - tatsächlich handelt es sich aber um Langusten.
Als Sättigungsbeilage kommen Reis mit Bohnen, frittierte Bananenchips oder Süßkartoffeln, bisweilen auch Maniok - oder ein Mix aus diesen zum Einsatz. Die Salatbeilage besteht in der Regel aus 80% Weißkraut, ein paar Tomaten- und Gurkenscheiben, selten auch mal geraspelte Möhren - Essig, Öl, Salz und Pfeffer werden zum Selbstanmachen dazugereicht - eine Unart, die sich die Kubaner offenbar von einigen Europäern abgeschaut haben.
Die Nachspeisen konnten durch die Bank nicht überzeugen: Flan, Mangomarmelade mit Käseraspeln oder weiche Schafskäsescheiben waren keine Verführer. Falls noch Kalorien fehlen sollten - was eigentlich unwahrscheinlich ist - so sollten diese lieber in einem der zahlreichen zuckerhaltigen Longdrinks zu sich genommen werden - Mojito, Daiquirí oder Piña Colada bieten reichlich Zuckerreserven.

Die Kubaner und die Musik

Die Kubaner lieben die Musik - und sie muß laut sein. Ob bei Volksfesten, in Bars und Restaurants, beim Wandern oder gar beim Gras mähen mit der Machete - Musik gehört dazu. So ist es auch nicht in erster Linie Touristennepp, wenn sich im Restaurant eine Combo aufbaut und 3-4 Lieder spielt. Man muß aber nicht unbedingt gleich eine CD für 10 CUC kaufen, wenn man nur zu zweit unterwegs ist. Ein kleines Trinkgeld hingegen wird irgendwie schon erwartet. Und oft ist die Qualität der Musik wirklich gut.

Kuba und die Energie

Nicht alles was neu ist, ist auch Fortschritt. Kuba gewinnt Strom aus Schweröl, das mit mangelhaften oder ganz ohne Filteranlagen in Kraftwerken nahe oder innerhalb der Städte verbrannt wird. Da ist es natürlich verständlich, wenn man sparsam mit Enerige umgeht. Leider hat dies aber dazu geführt, das fast überall Gasentladungsenergiesparlampen montiert sind, die entweder brutal helles kaltes Licht werfen, oder - noch schlimmer - Licht mit starkem Gelbstich liefern. Ein gemütliche Abendatmosphäre ist so leider nicht mehr drin, und man kann nur hoffen, dass die übernächste Generation warm leuchtender LED-Lampen bald Verbreitung findet.

Auf deutliche besserem Weg ist Kuba beim Verkehr. Während aufgrund der starken Restrikionen bei der Einfuhr moderne PKW und LKW noch wenig verbreitet sind, und Fahrzeuge aus den 50er-Jahre schwarze Rußwolken in die Welt blasen, verbreiten sich in den Städten bereits Elektroroller und -motorräder. Es ist wunderbar, die Elektroroller zu beobachten, denn sie fahren total leise und ohne Abgase durch die Städte. Noch sind sie nicht stark und ausdauernd genug, um auch Passagiere mitzunehmen, aber das ist sicher nur eine Frage der Zeit. In den Städten sind nämlich Mopeds eine flotte Taxi-Variante, um von A nach B zu kommen - natürlich nimmt jeder Fahrer nur einen Fahrgast mit. Das kubanische Stromnetz liefert übrigens von Haus aus nur 110V, aber an einigen Stellen gibt es schon eine parallele Verkabelung mit 220V - da passen dann auch Eurostecker.

Kuba und die Revolution

Wir haben beobachtet, dass Menschen aller Hautfarben in Kuba offenbar sehr gut miteinander auskommen und es offenbar keine Regional-Animositäten gibt. Wir führen das zurück auf die Befreiung des Landes von der Diktatur, den politischen Inselstatus und die totale Enteignung nach der Revolution. Es gibt offenbar tatsächlich fast kein Gefälle im Lebensstandard, zumindest keines, dass sich auf ererbtes Vermögen oder eine politische Position gründen läßt. Es gibt auch keine Bettler auf der Straße - außer einigen wenigen vor Touristenplätzen. Und alle Menschen sehen ordentlich gekleidet und gepflegt aus - vielleicht etwas zu mollig. Zwar wissen fast alle, dass man im Kapitalismus mehr verdienen und sich mehr leisten kann, weil viele Kubaner im Ausland Verwandte haben. Aber dennoch machen die Menschen einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Wir vermuten, dass eine Regierung, die von heute auf morgen den Sozialismus abschaffen wollte, keine Mehrheit erhalten würden.

Lieber versucht man mit CUC-Geschäften und kleinen Importen von Elektrogeräten und Ersatzteilen das Leben in Kuba etwas angenehmer zu gestalten. Rein äußerlich wird man übrigens ständig an die Revolution, die Helden des Volkes sowie die Aufgaben und Ziele des Sozialismus erinnert. Überall stehen Plakate mit Parolen und Bildern der Vorbilder. Der Kubaner muß damit und mit den 4 staatlichen Fernsehsendern und staatlichen Radiostationen auskommen. Nur in Touristenhotels gibt es Satellitenfernsehen. Im Land selbst ist ausschließlich Staatsinformation verfügbar, und auch das Internet ist zensiert.

Kuba - ein persönliches Fazit:

Die Reise nach Kuba war für uns eine der eindrücklichsten Reisen bisher. Die Widersprüchlichkeit in vielen Beziehungen und wie die Menschen damit umgehen, ist positiv bewegend. Das Land bietet ein angenehmes Klima und eine üppige Vegetation. Es ist ein friedliches Land mit präsenter Staatsmacht, die aber nicht das Gefühl der Unterdrückung und Kontrolle vermittelt, wie das im Ostblock der Fall war oder gar noch ist. Sozialistische Mangelwirtschaft ist aller Orten zu sehen, aber die Menschen leiden nicht darunter, sondern nehmen diese gelassen in Kauf. Dafür gibt es eben kein "oben" und "unten", und keine gesellschaftliche Diskriminierung. Auch Hautfarbe oder Geschlecht scheinen keine Rolle innerhalb der Gesellschaft zu spielen.

Wenn man sich allerdings abseits der Hauptreiserouten - aber noch auf Touristenpfaden - bewegt, muß man sich emotional mehr auf "Bildungsreise" als auf "Urlaub" einstellen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, hat das letztlich bedeutet, dass Albert sich auf der Rückreise gefreut hat, in einem westlichen Flugzeug zu sitzen, weil er dann endlich wieder auf die Toilette gehen kann ohne vorher fragen zu müssen, ob Toilettenpapier da ist und ob die Spülung funktioniert.

Dennoch: Wer sich aufrafft, um 11 Stunden nach Kuba zu fliegen, der sollte unbedingt mehr vom Land sehen, als nur die üblichen Touristengebiete.

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